Vom Pauken zum Entdecken: Eine 'neue' Perspektive auf das Lernen

Vom Pauken zum Entdecken: Eine 'neue' Perspektive auf das Lernen

Weil es so selbstverständlich ist Lernen mit Pauken für Klassenarbeiten oder Prüfungen zu verwechseln, habe ich dem Wort ‚Lernen‘ das Wort ‚wundersam‘ hinzugestellt.

 

Meine Absicht war es, das Konzept von Lernen aus der Sackgasse des verschulten Paukverständnisses zu befreien.

In Wirklichkeit ist Lernen ein natürlicher Prozess, der geschieht, wenn die Umgebung des Kindes dafür vorbereitet ist.

Die Vorbereitung der Erwachsenen ist wirklich eine Aufgabe, denn die meisten von uns haben ein System durchlaufen, das leider noch immer der Vorstellung folgt, dass Kinder mit einem Trichter gefüllt werden müssten.
Die Trichter sind nicht mehr aus abgeschrammtem Metall, sondern sie sind inzwischen hübscher geworden. Es gibt sie in bunten Farben, mit Blümchen drauf und in unterschiedlichen Größen. Das Vorstellungsbild zum Thema Lernen ist an vielen Orten noch immer das des Trichters.

Was auch geblieben ist, ist die Vorstellung, dass man das eingefüllte Wissen, immer abfragen und kontrollieren muss. Der Füllstand sollte mehr oder weniger bei allen Kindern den gleichen Stand haben.
Darüberhinaus sollte man den Füllstand jederzeit bewerten und auf Knopfdruck abfragen können.

Das dieses Wissen, was den Kindern auf diese Art zugeführt wird, sich dann nur wenige Tagen oder Wochen später wie ein Gas verflüchtigt, wird in Kauf genommen. Ja, man nimmt diesen Umstand dann gerne als Erklärung dafür, dass man ja wieder auffüllen muss.

Die Erwachsenen werden damit in einem Aktivitätstaumel gehalten. Man hat ständig dein Eindruck, dranbleiben zu müssen, damit Kinder lernen. Das ist anstrengend für alle Beteiligten. 

Du siehst also, dass wir Erwachsenen selbst randvoll aufgefüllt wurden. Es fällt uns noch immer ganz schwer, einer anderen Vorstellung von Lernen, Platz zu machen.

Damit wir Kindern freies und selbstbestimmtes Lernen zugestehen können, ist es notwendig wundersam zu VERlernen.
Das bedeutet, dem Raum zu geben, wie Lernen sein könnte, wenn es keine Trichter (Vorstellungen) gäbe.

Dieses Verlernen ist ganz sicher nicht bequem, denn es konfrontiert die Erwachsenen, die sich dafür öffnen, ganz direkt und unmittelbar mit einer großen Unsicherheit. Man weiß ja nicht wirklich, wie es funktioniert mit dem freien und selbstbestimmten Lernen.

Viele unangenehme Emotionen liegen wie dicke Felsbrocken auf dem Weg. Um den Kindern den Weg frei zumachen, ist man selbst gefragt, die wuchtigen Brocken aus Unselbstständigkeit, mangelndem Antrieb und Überforderung aus dem Weg zu räumen.

Unter dem ganzen Geröll ist dann irgendwo die eigene Kreativität und Kraft für den eigenen Antrieb verschüttet. Die meisten Erwachsenen haben eine Vorstellung von Lernen, die sich lediglich aus den eigenen, oftmals eingeschränkten Erfahrungen zum Lernen speisen.

Damit wird also klar, dass es ganz gewiss nicht einfach ist, diesen Weg, des sich selbst ‚deschoolens’ zu gehen.

Glücklicherweise gibt es immer mehr Menschen, die diesen Weg ein gutes Stück gegangen sind.
Inzwischen gibt es auch mehr und mehr junge Menschen, die diesen Umweg nicht gehen brauchten. Sie konnten in alternativen Einrichtungen, vielleicht auch ganz ohne Schule einen selbstbestimmten Lernweg gehen.
Sie haben vielen Erwachsenen einiges voraus.

Sie haben gelernt, sich dichter an der eigenen Innenwelt selbst zu bilden, sie haben eine großes Maß an Eigenverantwortung für ihren Lernweg entwicklen können. Sie haben sich eine Stück Individualität beibehalten können. Sie sind unter Umständen ganz gut auf ihrem Weg, wenn es um das 1x1 des lebenslangen Lernens geht.

In einer bunten Lernwelt treffen also diese unterschiedlichen Menschen aufeinander, die ihr Bewusstsein auf die vielschichtigsten Arten entwickelt haben. Sie stehen alle an den unterschiedlichsten Stellen und möchten doch gemeinsam etwas Neues schaffen.

Diese unterschiedlichen Voraussetzungen dürfen wir nicht vergessen, wenn wir uns zusammentun und für Kinder neue Möglichkeiten schaffen wollen. Die verschiedenen Startpunkte dürfen wir nicht bewerten und uns gegenseitig geringschätzen.
Es geht darum sie zu erkennen, wohlwollend und liebevoll miteinander umzugehen.

Den kleinsten gemeinsamen Teiler als Ausgangspunkt für einen gemeinsamen Weg zu gehen. Auf diese Weise Hand in Hand in eine neue Kultur von Lernbegleitern zu wachsen, scheint mir sehr wertvoll.

Menschen nun in einen Kreis zu bewegen, damit sie von und miteinander lernen können, halte ich für zukunftsweisend.
Genau das tue ich in all den Kreisen, die ich anbiete. Sei es bei den Mühlengesprächen zum WundersamenLernen, den Supervisionen, in Beratungssituationen oder in der Feldenkrais-Gruppe.

Zu Grunde liegt immer die Idee, unterschiedlichste Vorraussetzungen und Standpunkte anzuerkennen, das verbindende zu bergen und miteinander zu wachsen.

Eine kleine Frage zum Schluss:
Was ist der kleinste gemeinsame Teiler, der dich mit den Menschen verbindet, die von Lernen eine andere Vorstellung haben?


Stell dir mal vor Bildung könnte mit Individualtät umgehen.

Stell dir mal vor Bildung könnte mit Individualtät umgehen.

 

Stell dir mal vor, Lernen wäre je individuell und es ginge beim Lernen, (auch in Schulen) um den einzelnen Schüler? Stell dir vor, jeder Schüler würde genau da abgeholt, wo er steht und in seinem je individuellen Prozess nicht kontrolliert und bewertet, sondern begleitet?
Eine Schülerin würde wahrnehmen, dass sie selbst eine Gestalterin wäre, nicht eine Person, die Weisungen entgegennimmt?

Stell dir nur mal vor, einem Schüler würde ermöglicht, dass er entlang der eignen Fragestellungen im Leben lernen könnte. Mal Angenommen er interessiert sich für Raumfahrt, das wäre sein inneren Motor, das was ihm ‚die Luft in die Reifen‘ gibt. Wenn er diesem seinem Antrieb folgen könnte, wäre er zufrieden und würde alles lernen, was ihm das Universum zuspielt. Stell dir darüberhinaus vor, er hätte die Freiheit nach einer gewissen Zeit seine Interessen zu ändern. Plötzlich würde er rausfinden, dass er sich nun mehr für Motoren interessiert.
Langsam würde er sich von dem ersten Feld lösen, dass ihn so sehr inspiriert hat und er würde sich nun diesem Feld widmen. Er würde sich über die Jahre eine unglaublich feines Netz an Wissen knüpfen und man müsste ihn nicht mal dazu antreiben. Ja, es wäre erst möglich, wenn Schule und Eltern nicht bewerten würden und keine Bild von dem hätten, was zu lernen wäre.

Stell dir nur mal vor, Lernprozesse wären im positiven miteinander verwoben. Es gäbe keine Erwachsenen ( Eltern / Lehrer), die miteinander konkurrieren und das Kind im Mittelpunkt stände.
Stell dir nur mal vor, die Schülerin könnte lernen, ohne das die Eltern am einen Ärmchen zerren und die Lehrer am anderen ? Die Erwachsenen hätten verstanden, dass Lernen sich einfach vollziehen könnte, wenn die ‚Pflanzerde‘ eine gute wäre. Eine, die schon alles an Nährstoffen hat, eine, die von Erwachsenen immer wieder aufgehackt und gelockert wird? Stell die vor, wir hätten verstanden, dass es ein gesundes Ökosystem braucht, vielschichtig, natürlich, eingebunden und verstanden? Ein wundersames Spiel zwischen Bindung/ Beziehung und Ablösung und wieder Bindung und Beziehung und wieder Ablösung?

Stell dir nur mal vor, Lernen wäre auch bei den älteren Kindern viel Praxis bezogener? So, wie bei den Kleinsten? Es würde eine Spielfeld für junge Erwachsene entstehen? Ein Feld, in dem sie forschen können uns sich ausprobieren können. Eine Struktur, die jungen Menschen erlaubt, in die Welt zu gehen, sich zu angemessener Zeit auch von den Eltern und ihren Vorstellungen zu entfernen? Ein Struktur, die sie in sich aufnehmen würde, wo sie sicher Schritt für Schritt eine größere Welt betreten könnten?

Widerstand gegen die Welt der Erwachsenen würde nicht so sehr im Vordergrund der jungen Menschen stehen, weil sie diesen nicht etablieren müssten, um gesehen und verstanden zu werden. Vielmehr hätten sie Gelegenheit diese Kräfte in Kooperation, Kreativität und ein neues Miteinander zu legen. Was für eine Welt könnte entstehen.

Ich stelle mir das alles vor und Vieles davon habe ich erfahren dürfen. Das ist ein Bild, dass ich von einer möglichen Zukunft des Lernens trage.

Stell dir vor, wie wunderbar das Lernen in einer solchen Zukunft sein könnte!


Brauchen unsere Kinder das wirklich? Ein kritischer Blick auf die von uns gestaltete Kinderwelt.

Brauchen unsere Kinder das wirklich? Ein kritischer Blick auf die von uns gestaltete Kinderwelt

 

Wenn du meine Arbeit schon eine Weile folgst, dann hast du sicher bemerkt, dass ich vielen Bewegungen im pädagogischen Feld sehr kritisch gegenüber stehe.

Uns Eltern wie Pädagogen wird ein Bild präsentiert, dass glaubhaft vermittelt, dass es gut und sinnvoll ist, all den Produkten und Angeboten zu folgen. Dann wird alles gut in der Familie.
Das Angebot ist riesig und die Möglichkeiten für ‚Selbstmedikamentierung‘ im System sind unerschöpflich.

Vordergründig möchten viele Angebote das Leben der Kinder oder der Familie erleichtern, hintergründig geht es darum, die Kinder passend zu machen. Angepasst sollen sie sich durch das aufgebaute System bewegen.

Das Netz ist voll von Angeboten, die dir alles anbieten. Von der gesunden Ernährung, die gerade hip ist, über hilfreiche Tips zum Suchtverhalten der Kinder im Netz, bis hin zu pädagogischen Lernspielen, damit Kinder noch schneller, noch besser…..
Tröpfchen mit der Bezeichnung ‚Leichter Lernen‘ kannst du ebenfalls kaufen.
In den letzten Jahren ist ein Riesenmarkt entstanden, der eines gemeinsam hat:

Kinder, wie Eltern sind mangelhaft und können ganz sicher durch dieses und jenes verbessert werden.

Es ist der Eindruck entstanden, also ob Eltern wie Kinder nur ein wenig links oder rechts korrigiert werden müssten, dann würde schon alles besser laufen.

Ein nicht enden wollendes Rennen um bessere Kinder / Familien entsteht. Der Optimierungswahn ist uns so vertraut, dass wir das ganze Spiel nicht einmal mehr hinterfragen.

Gesunde Kinder zeigen uns ihre ‚Störungen‘ und wir tun alles, um sie durch unsere Versuche in ein System zu integrieren, was diese ‚Störungen‘ letztendlich verursacht hat.

Ein unglaubliche Maschinerie.

Unser Taumel durch Geschäftigkeit und Hetze als Erwachsene ist so groß, dass wir vermutlich kaum Energie haben, um dieses Hamsterrad der Optimierung in der Familie kritisch zu hinterfragen. Ich bin sicher, dass bei vielen auch keine Kraft da ist, um das Rad anzuhalten.

Ein Großteil der Probleme, die wir mit Kindern haben, ob zu Hause oder in der Einrichtung (man beachte das Wort) sind nicht den Menschen selbst geschuldet, sondern einem nicht artgerechten Leben. Das drückt sich sehr unterschiedlich aus.

Das System, in das wir unsere Kinder ‚einzupassen‘ suchen ist auf vielen Ebenen zerstörerisch und krank machend. Familien leiden.

Wir Erwachsenen nehmen viel Geld, Zeit und ein immer währendes Gefühl der Unzulänglichkeit in Kauf, um vermeintlich Erleichterung oder Besserung zu erwirken.

Einige Menschen beginnen damit, sich in gewisser Weise zu entspannen, durchzuatmen, gängige Gedanken und Herangehensweisen zu hinterfragen.

Beginnst du dann langsam dich quer zustellen und deine Kinder zu schützen, bekommst du eine eine Menge Gegenwind.

Was hilft ist, sich immer wieder mit den Vorstellungen zu verbinden, wie du eigentlich mit der Familie leben möchtest? Was sind Werte, die du den Kindern vermitteln möchtest? Was wäre für euch passend?

Irgendwo zwischen einem völlig überdrehten Familienalltag und diesem Sonntag, bei schönem Wetter, an dem ihr eigentlich nichts vor habt und einfach so in den Tag leben könnt…

…irgendwo dazwischen liegt das Familienleben oder Leben in gewählter Gemeinschaft, was eigentlich gedeihlich für die Kinder wäre.
Kinder heute benötigen oftmals das Gegenteil von dem, was wir mit viel Mühe für sie hervorzubringen suchen.

Wie so oft, braucht es andere Dinge, als man denkt. Nicht unbedingt die marktschreierischen Angebote, die dir alles versprechen und man sich weiterhin im Kreis dreht.

Manchmal sind es nur ein paar wertvolle Gedanken oder ein Richtungswechsel, der gedeihlich ist. Das ganze Gezappel darf sich beruhigen und selbstbestimmte Werte, können dann an ihren Platz rücken. Das ist ganz gewiss nicht leicht, aber mit Sicherheit heilsam für viele Kinder mit ihren Familien.

Bitte schreib hier oder mir persönlich. Ich und andere lesen gerne deine Gedanken dazu.


BeSINNlichkeit erfahrbar machen. Der Weg ist das Ziel.

BeSINNlichkeit erfahrbar machen. Der Weg ist das Ziel.

 

Was ich im Winter besonders mag, ist der ‚Geschmack’ des Rückzugs und der Stille. Zugegebenermaßen eine wirklich schwierige Herausforderung. Irgendwie scheint Besinnlichkeit verloren zu gehen.

Die Weihnachtszeit gibt genau das vor und im selben Moment geht es so stark in Reibung mit all dem Lärm, der Geschäftigkeit und dem sich ewig drehenden Rad um Konsum und einer selbst gemachten Betriebsamkeit.

Man will es ja immerhin schön haben für die Lieben um einen herum? Man arbeitet darauf hin, damit es in diesen Tagen etwas Besonderes wird.

Schön, bedeutet für jeden etwas anderes.

Unter dem ganzen Glimmer hat sich das Wesentliche nahezu verkrümelt.

Ich möchte dir eine besinnliche Weihnachtszeit wünschen. Darin ist das Wort SINN verborgen.
Eigentlich ist diese Zeit des Jahres die Zeit, in der die Dunkelheit sich wieder in hellere Tage wendet. Das Licht kehrt zurück.
Diese Winterzeit ist eigentlich die Zeit der BeSINNung auf das Wesentliche.

Daher sende ich dir diesen  u n g e s c h m ü c k t e n  Baum. Er ist einfach schön. Er soll dich an das erinnern, was von Bedeutung ist.

Die pure Schönheit eines Baumes wie diesen für sich zu erkennen geht unweigerlich in Reibung mit all dem, was wir diesen Weihnachtstagen aufgesetzt haben.

Auch ich habe es früher getan. Ich habe mich daran erfreut, wenn die Kinderaugen leuchteten und sie die Geschenke aufgepackt haben. Dann hat mich immer so eine eigenwillige Stimmung ergriffen. So manch Träne habe ich verdrückt, in der Hoffnung, dass es niemand für Traurigkeit hält. Es war eher ein ‚Gerührt sein’ ganz tief drin.

Das Rührung hat mich über die Jahre geleitet hin dazu, dass nicht das Materielle von Bedeutung ist, sondern, dass es etwas ganz anderes ist, was ich an die Kinder weitergeben möchte. Ich bin sicher, die Kinder haben meine Versuche, etwas in ihrem von mir ja gestalteten SINNbild zu ändern, nicht immer als angenehm empfunden.

Seit Jahren bin ich nun dabei die Bäume ‚abzuschmücken’ und das Wesentliche wieder sichtbar zu machen.

Das ist nicht einfach, denn die Kinder sind mit all diesen Ritualen aufgewachsen und sie lieben sie. Es ist schwer, diesen Zug anzuhalten.
Schaltet man den Antrieb der Ausuferung ab, hat er noch immer ein erhebliches Momentum. In mir, aber auch im Rest der Familie.

Die Kinder und ich lieb(t)en diesen aufgesetzten Schmuck und im selben Moment geht es für mich gerade in der Weihnachtszeit darum das Wesentliche wieder ins Bewusstsein zu tragen.

Gerade eben auch für die Kinder, damit sie einen Blick für Natur der Dinge behalten können.
Sinn und Sinnhaftigkeit, Besinnliche Zeit.

Du kennst sicher das Bild, welches die Zwiebel versinnbildlicht. Das Abtragen der Schalen, die zum Kern der Dinge führen.

Ähnlich wie mit den Schalen einer Zwiebel möchte ich dich einladen im übertragenen Sinne den Baum ‚abzuschmücken‘ zu Weihnachten.

Das Wesentliche und die Sinnhaftigkeit von Leben, Liebe und Miteinander in die Familie zu tragen, in dem du bewusst diese Maschinerie von Konsum und Betriebsamkeit nach deinen Möglichkeiten anhältst und damit den Kindern etwas zeigst, was vielleicht nicht in diesem Jahr, aber eines Tages für sie von Bedeutung sein wird.

Ich wünsche beSINNliche Weihnachtstage.

Die Mühle ist ein toller Ort um den "Antrieb der Ausuferung" zunächst für sich selber einmal anzuhalten. Meine bisherigen Gäste schätzten ein paar Übernachtungen in der Mühle, vielleicht auch verbunden mit einer Beratung bei mir, um das entstehende Momentum als Trittbrett in eine neue Zeit zu nutzen. 

 


Jungs, lernen anders. Von der kreativen Kraft der Zerstörung.

Jungs, lernen anders. Von der kreativen Kraft der Zerstörung.

 

Einer meiner Söhne hat gestern diese XXL Streichhölzer auf der Fensterbank entdeckt. Inzwischen, die Kinder sind groß, kann ich sie in der Tat irgendwo liegen lassen.

Er sieht die Hölzer, drückt mit einigen Worten und dieser ganz bestimmten Stimmlage sein Interesse an den Riesendingern aus.
Nur Sekunden später sehe ich ihn auf dem Sessel sitzen und er fackelt das lange, dünne Hölzchen ab.
Er beobachtet genau, was passiert. Das lange Zündholz dreht sich ein, wie interessant für ihn. Seine Interesse entnehme ich einer Bemerkung, die er eher beiläufig macht, während er ganz vertieft mit dem Feuer konferiert.
Sekunden später steht er auf und geht. Geraume Zeit danach finde ich dieses abgefackelte, verdrehte Hölzchen auf meinem Küchentisch wieder. Dort wurde es abgelegt, das Leben geht weiter.

Ich habe sechs Kinder, drei Jungen und drei Mädchen. Das hat mir über Jahrzehnte die Gelegenheit gegeben, zu beobachten, wie unterschiedlich sie ‚verdrahtet‘ sind. Bitte verzeih’ diese etwas technische Formulierung.

Ich kann dir gar nicht sagen, wieviele Kugelschreiber ich in den letzten Jahrzehnten habe wegschmeissen müssen. Die Müllberge dieser Welt sind alleine durch die inneren Forschungsaufträge der Jungs gestiegen.

Sie finden einen Kugelschreiber und er muss sofort in seine Einzelteile zerlegt werden. Man muss dort hinein schauen und ergründen, wie das Ding funktioniert. Diese Kugelschreiber werden aufgeschraubt und im einen oder anderen Fall springt dann die Feder heraus und wird nie wieder gesehen.
Das wars.
Das reicht aber nicht, denn irgendwann liegt da dieser andere Schreiber, der etwas anders zu funktionieren scheint. Natürlich muss dieser auch geöffnet werden, denn er hat vermutlich eine ganz andere Technik? Was da wohl anderes ist?

Alles muss in seine Einzelteile zerlegt werden.

Bei den Kleinsten wird der Schrank ausgeräumt, der Mülleimer untersucht, die Handtasche. Etwas später der Kugelschreiber, dann die Hausgeräte, die zerlegt werden.
Danach wird der Computer aufgeschraubt. Gefolgt vom Motor des Rasenmähers. Wenn sie Glück haben, hat Mutter auch ein altes Moped im Schuppen stehen. Hier muss man den Motor zerlegen und zig mal ein und ausbauen, vielleicht kann man etwas mehr Leistung heraus kitzeln?

Aus der Sicht einer manchmal mehr, manchmal weniger verzweifelten Mutter versuche ich dir die Einzigartigkeit von Jungs zu beschreiben. Sie sind so oft damit beschäftigt, diese Welt in ihrer Tiefe zu ergründen. Sie wollen wissen, wie etwas funktioniert. Sie zerlegen und ergründen. So forschen sie.
Und was sie mit Sicherheit auch benötigen sind ganz fixe und allezeit aufmerksame Schutzengel. Bei diesen unsichtbaren Helfern habe ich mich schon viele male bedankt, das kannst du mir glauben.

Und auch heute komme ich zu dem Schluss, das Jungs (heute beipielhaft in den Vordergrund gestellt) in unserem gegenwärtigen Bildungssystem extrem behindert werden ihren ‚Lebenslernfaden’ aufzugreifen und zu bespielen.

Jungs, (wie Mädchen) bräuchten in bestimmten Fällen ganz andere Umgebungen, um wirklich lernen zu können, wie es aus ihnen heraus kommen möchte.

Auch diesen Betrag habe ich geschrieben, damit die Einzigartigkeit der jungen Menschen nicht im Einheitsbrei der allgemeinen Vorstellung vom Lernen verloren geht.
Bei all den derzeitigen Bestrebungen hin zur ‚Gleichmacherei’ darf die Einzigartigkeit eines jeden jungen Menschen nicht in Vergessenheit geraten.
Wir sind nun mal Individuen und benötigen daher auch je individuelle Dinge, um uns optimal zu entfalten.

„Je individuelle Dinge“ kann ich dir auch mit meiner Beratung im Leben mit Kindern anbieten. Hier kannst du Kontakt mit mir aufnehmen.


Ein Loblied an das Nichtwissen. So frei wie Kinder lernen (könnten)

Ein Loblied an das Nichtwissen. So frei wie Kinder lernen (könnten)

 

 

 

Kleine Kinder haben keinerlei Problem mit alldem, was sie nicht wissen. Sie gehen vollkommen in ihrer Forschungswelt auf und alles, was sie nicht wissen, hat in jeder weiteren Sekunde keinerlei Bedeutung für sie. Sie hangeln sich am Nichtwissen entlang, alles was sie noch nicht wissen, bewerten sie nicht. Wie toll ist das denn!

Irgendwann auf dem Weg sind die Erwachsenen Jene, die damit beginnen, ob bewusst oder unbewusst, diese tolle Lernwelt der Kinder zu verstellen.
Ganz plötzlich bekommt all das, was wir als Mensch nicht wissen eine überbordende Bedeutung.

In kleinen, kaum wahrnehmbaren Schrittchen pflanzen wir diesen unsäglichen Gedanken, dass es wichtig sei, viel, wenn nicht alles zu wissen.

Fortan rennt jeder Mensch wie ein Esel der Möhre hinterher. Wir haben damit das Rennen um das große Wissen begonnen. Ein Rennen, dass wir vermutlich nicht gewinnen können.
Ein Riesen Geschäft ist aus dem entstanden, was es angeblich (noch ) zu wissen gilt.
Dabei liegt ein wesentlicher Kern der Zufriedenheit und des Friedens darin begründet, anzuerkennen, dass man nicht alles weiß.

Nichtwissen ist ein wesentlicher Aspekt des Menschseins und wir täten gut daran, Kindern nicht unaufhörlich das Gefühl zu geben, dass sie sich auf einer Rennstrecke befinden.

Es gibt inzwischen so unermesslich viel zu wissen, was angeblich wichtig wäre.
Ich denke, es wäre wichtiger dem Ruhen und Wachsen im Nichtwissen, wie es die Kleinsten hatten, wieder Bedeutung zu geben.
Wer, wenn nicht die Kleinsten, mit ihrer unnachahmlichen Art, sind die wahren Meister im Erlangen von wertvollem Wissen. Ein Vertrauen in der Erkenntnis, dass alles zu seiner Zeit bei dir ist.

 

Ich helfe Erwachsenen dieses unerschütterliche Vertrauen in die Kinder aufzubauen, das  Familien durch die Unwägbarkeiten des derzeitigen Bildungswegs junger Menschen trägt. Es ist die Kraft der Erwachsenen ( Eltern wie Pädagogen ), die die Kinder tragen und stärken kann, auch wenn sie an vielen Orten noch lange nicht in den Bildungsstukturen leben können, die ihr Menschenrecht ist. Hier kannst du Kontakt mit mir aufnehmen.

Foto:susana coutinho/unsplash


Wer lenkt eigentlich wen bezüglich Medienkonsum

Wer lenkt eigentlich wen bezüglich Medienkonsum

„Ich komme gar nicht mehr an ihn ran. Er kommt nach Hause, knallt seinen Rucksack in die Ecke und verschwindet in seinem Zimmer. Die Kommunikation beinhaltet inzwischen immerhin noch Zweiwortsätze.“

So oder ähnlich hört es sich an, wenn ich zum Thema Medienkonsum gefragt werde. Erwachsene fühlen sich hilflos. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass wir uns alle fragen, was wir tun können?
Magst du die kurze, knackige und sicher unbequeme Version ?

Naja, sich auch an der eigenen Nasenspitze liebevoll fassen.
Was war ich früher froh über diese Spielkonsolen, den Fernseher, den Gameboy und wie die Dinge alle heißen.
Ich hatte es in der Hand, ich konnte es steuern. Wenn es mir gepasst hat, fand ich es toll, wenn die Kids in der Fernsehecke verschwunden sind, wenn sie einfach nur still auf irgendeinem Stuhl flözten und den Gameboy in der Hand hatten. Es war ruhig und ich konnte ein wenig Zeit für alle meine hektisch dahin strömenden Gedanken und ToDo’s haben. Es war so verdammt praktisch.

Wenn ich dann meinte fertig zu sein, habe ich mich ganz schnell wiederum erinnert, wie schädlich das alles ist und welche Folgen es für die Familie haben würde, wenn die Kinder völlig ungebremst ständig berieselt würden. Dann fand ich mich wieder in der Rolle dieser Mutter, die die Kinder aus der Technik herauszuschälen suchte.

Ja, ich habe die Medien genutzt, um Familie zu steuern und zu manipulieren. Ich konnte mir das Ganze einreden, wie ich es gerade brauchte.

Da ich sechs Kinder habe, überblicke ich einen großen Zeitraum, der mir Gelegenheit gegeben hat Bewusstheit in diesen Mediendingen in der Familie zu entwickeln. Ich schreibe bewusst „entwickeln“, denn obwohl die Kinder längst erwachsen sind, ist meine Entwicklung darin noch lange nicht zu Ende.
Für mich liegt in der bewussten (ehrlichen) Auseinandersetzung mit dem Thema Medienkonsum die einzige Chance, einen friedvollen Weg, der für alle gedeihlich ist, zu entwickeln.

Bewusstheit entwickeln, auch wenn es unbequem ist, ist mein Stichwort.

Dieser junge Mensch, der heute seinen Rucksack in die Ecke knallt, wenn er nach Hause kommt und den du mit etwas Glück am Kühlschrank treffen kannst.

Er hat das Steuern und an den eigentlichen Schmerzpunkten vorbei manövrieren von dir gelernt. Auch er nutzt die Technik, um ein wenig vermeintlichen Frieden zu finden. Es ist natürlich auch möglich, dass er darin seine Berufung finden wird. In beiden Fällen, liegt in dieser Herausforderung diese authentisch zu begleiten, euer gemeinsamer Entwicklungsweg.
Als Eltern von kleinen Kindern nutzen wir fast den ganzen Tag unsere ‚Mittelchen‘, um den Alltag so zu steuern, dass er zu bewältigen ist. Je älter die Kinder werden, desto weniger bleiben diese unbewussten Strategien machbar. Ein junger Mensch wächst heran und hat seinen eigenen Ideen. Es ist wichtig zurückzutreten und dem Leben, was seine eigene Form finden möchte Raum zu geben.

Was bleibt ist der leichte Giftcocktail an unseren leisen Steuerungsmechanismen. Dieser hat über die Jahre ganz unmerklich die Beziehung zu den jungen Menschen vergiftet.
Auch hier, in Beziehung zu den größer werdenden Kindern, braucht es in gewisser Weise so etwas wie Entgiftungskuren.
Das ist in meinen Augen das Licht der Bewusstheit.

Sich wirklich selbst liebevoll an der Nase fassen und diese Strukturen erkennen, die man selbst in das Familienleben hinein gebastelt hat. Jetzt ist die Zeit sie zu erkennen, abzubauen (wundersames VERlernen) und die Beziehung zu den jungen Menschen nun auf eine andere Art zu gründen.
Bis zu diesem Punkt haben wir dann auch noch nicht den eigenen Medienkonsum und die ganzen kleinen Süchte darin angesprochen. Mit dem Augen der Bewusstheit auf mich selbst kann ich aus einem ganz anderen Blickwinkel wirken, Gespräche führen, in Beziehung gehen und damit langfristig wirklich etwas schaffen.
Mit diesem nun hoffentlich frischen Beziehungsaufbau kann auch zum Thema Medienkonsum so Vieles heilen. Du kannst beispielsweise damit beginnen, dich dafür zu interessieren, was er da macht, du wirst staunen, welche enorme Fähigkeiten er sich angeeignet hat.

Du denkst, er spielt den ganzen Tag und ist verloren in der Technik, aber er hat unter Umständen solche Dinge gelernt, hinter deinen du schon lange nicht mehr herkommst.

Es sind die Kinder einer anderen Zeit.
Wir alle wollen in ein bewusstes Leben hinein, also müssen wir die knirschenden Dinge hinterfragen, uns fragen, wer die Verantwortung hat und immer und immer fortfahren wundersam zu VERlernen.

Besonders gerne unterstütze ich Eltern bei den Herausforderungen zum Medienkonsum. Hier findest du meine Kontaktdaten. Schreib mir gerne. Dann kommen wir in Kontakt. Manche Klienten möchten mich gerne besuchen und verbinden eine Beratung bei mir mit einem schönen Wochenende bei uns in der Mühle. Hier findest du einen Link zu den beiden Ferienwohnungen 'Tür an Tür mit Huhn und Pferde' sowie dem 'Scheunen-Loft'

Foto: Copyright Uta Henrich

 


Mein Kind will nicht in den Kindergarten oder in die Schule

Kindergarten und Schule verweigern

Mein Kind will nicht in den Kindergarten oder in die Schule

Wenn du nach einem Rezept für ein „Quick-Fix“ suchst, dann besser hier nicht weiterlesen.

 

Dein Kind geht nicht in den Kindergarten oder in die Schule?

Vielleicht sollte es sein Recht haben.

Hat es dort Gelegenheit sein Leben zu leben?

Zu Hause wird dieses Kind unter Umständen auf eine Art erzogen, die den Anspruch hat junge Menschen als gleichwürdig zu betrachten und zu begleiten.
Das bedeutet, dass man es in seinem Wesen wahrnimmt. Man geht auf seine Bedürfnisse ein, so gut es geht. Vielleicht signalisiert dieser junge Mensch, dass er heute nicht in die Kita möchte?
In dieser Familie pflegt man auch eine Art miteinander zu sein, die sich in einer wohlwollenden Sprache, bewussten Berührung und Wahrnehmung ausdrückt. Man ist achtsam und geht respektvoll miteinander um. (Man übt sich zumindest darin, sieht diese Haltung als Lebensweg)

Dieser junge Mensch, der nun auf Kindergarten und Schule trifft, hat es sehr schwer. In vielen Einrichtungen für Kinder hat man schlicht weg diese Haltung noch nicht.

Sie passt nicht ins ‚Betriebssystem‘.

Man sieht sich nicht als lernenden Organismus. Man sieht noch lange nicht die Idee von der Gleichwürdigkeit der Kinder.

Viele Kinder, ob aus bewussten oder weniger bewussten Haushalten, erleben in ihrem Alltag in den Einrichtungen psychische und physische Gewalt. Sie haben Ängste. Wenn sie nicht durch einen überbordenden Bewegungsdrang oder unangemessenes Verhalten auffallen, dann leiden sie oft auf stille Art.

 

  • Da sind die Kleinsten, die in der Kita gezwungen werden zu essen, egal ob sie Hunger haben oder etwas nicht mögen. Sicher werden sie auch aufs Kinderklo gesetzt , wenn sie nicht müssen.
  • Nicht zu vergessen, die Kinder, die mit genervten, gestressten dann mal schnell gewaltvollen Händen gewickelt werden.
  • Da sind ältere Kinder im Schulsystem, die den ganzen Tag in Ängsten leben müssen, weil sie sich vor Noten, Druck, bestimmten Lehrern fürchten. Ebenso wie vor Tobias aus der Nachbarklasse oder Lisa, am Nachbartisch. Diese mobben nämlich von Anfang an ganz bestimmte Kinder in der Klasse.

 

Nein, die meisten Kinder haben da keine Chance ohne beschützende Flügel mit klar zu kommen. Das müssen wir einfach sehen.

Wir Erwachsenen tendieren garantiert dazu, uns diese ganze aufgetakelte Bildungsidee schön zureden.

Wie kann es sein, dass all diese Umstände das Leben eines jungen Menschen bestimmen und wir die Signale des Unwohlseins der Kinder übersehen?
Dein Kind sagt, es will nicht in diese Einrichtung gehen, egal ob Kita oder Schule. Und nun?
Das angemessen zu behandeln, ist wirklich schwer.

  • Es würde bedeuten, dass man die Einrichtung konfrontiert.
  • Man müsste allerhand unangenehme Gespräche führen.
  • Man müsste es aushalten, dass man einfach andere Wege geht, egal was die Schwiegermutter sagt.
  • Man müsste eine Struktur schaffen, die es ermöglicht, dass das Kind immer wieder zu Hause bleiben kann, wenn es da aus seinem Inneren heraus nicht hingehen kann.
  • Man müsste seinen Frieden damit haben, dass das Kind auch außerhalb der Schule lernen kann.
  • Man müsste das Kind als gleichwürdig in seinen Empfindungen ansehen und als Erwachsener alles tun, um einem jungen Menschen den Rücken zu stärken.
  • Man müsste beginnen das ganze Konzept zu hinterfragen.
  • Vielleicht müssen manche jungen Menschen gar nicht 9-13 Jahr ein die Schule gehen, weil sie ganz fix darin sind, andere Wege zu entwickeln?
  • Man müsste diese elende Schulpflicht, du weißt schon….
    Diese Liste kann ich ellenlang weiterführen.

Und weil das so schwer ist im Alltag wirklich aufrichtig zu leben mit den Kindern, winden wir uns lieber. Wir fühlen uns dann so ein bisschen schlecht. Im tiefsten Inneren wissen wir, dass es einfach nicht richtig ist, die Kinder wieder da hinein zu schicken. Wir fühlen uns weiterhin ein bisschen schlecht, weil wir irgendwo tief drin wissen, dass es nicht stimmt, was wir tun.
Daher haben wir bewusst oder unbewusst folgenden Bypass auf den Weg gebracht.

Wir lassen es zu, dass all die kleinen und großen Verweigerer diskriminiert und manipuliert werden. Sie werden pathologisiert und dann wie kleine Verbrecher behandelt. Einfach so, als ob die Kinder noch nicht so weit sind, oder nicht richtig sind.

Dies, obwohl die Wahrscheinlichkeit recht groß ist, das die kleinen Verweigerer einfach nur recht haben. Sie signalisieren im einen oder anderen Fall, dass da ganz was Wesentliches nicht stimmen kann.

Sie sind unter Umständen genau die Kinder, die uns den Weg weisen könnten. Ihr Empfinden für einen notwendigen menschlichen Umgang miteinander könnte uns in eine neue Zeit führen.

Doch wir Erwachsenen machen sie passend für etwas von dem wir lange wissen, das es für Kinder wenig funktioniert.

„Die Schule sollte kindergeeignet gemacht werden und nicht die Kinder schulgeeignet.“

A.S. Neill

Leider ist es noch immer so, dass Eltern wie pädagogische Fachpersonen die eigene Überforderung mit den Gegebenheiten dieser Zeit, über den Rücken der Kinder abwälzen.

Hören oder lesen wollen wir das nicht.

Ein sinnvoller Ausgangspunkt für eine Veränderung für Kinder hinein in eine gedeihliche Zukunft scheint mir ganz schlicht die Fähigkeit der Erwachsenen zu sein, die eigene Ohnmacht wahrzunehmen. Sie zu spüren und von hier aus zu beginnen. Die innere Arbeit ist vermutlich das Einzige, was wahrlich eine Veränderung für die Kinder der Zukunft hervorbringt.

Ich weiß genau, wie sich das anfühlt, wenn man verstrickt ist und das tiefste Innere eigentlich mutig an die Oberfläche quellen möchte.
Ich kann helfen, damit du dich hier wieder besser fühlst und damit wieder mehr Frieden und Ruhe in die Familie einkehren kann.

Schreib mir gerne einen Kommentar gleich hier untern. Hier findest du meine Kontaktdaten, falls du das Gespräch mit mir suchen möchtest.


Die Sehnsucht des Herzens

Die ‚Sehnsucht des Herzens‘ sich vollends im jungen Menschen entfalten zu können, wird überhört. Ich behaupte einfach mal, dass sich das Herz so gerne mit dem Kopf verbinden würde.

Mich packt es ganz besonders, wenn ich Kinder beobachten kann, wie sie je individuell damit beschäftigt sind ihre Welt aufzubauen, zu steuern und auf ihre Art, Expertise im Lernen zu erreichen. Damit meine ich nicht das ‚schulische Lernen‘, sondern mehr die Art und Weise, wie sie es schaffen das Vermögen zu erlangen, ihre Welt zu steuern.

An dieser Stelle ist die Entwicklung noch lange nicht zu Ende, denn eigentlich geht es nun darum, uns über die Grenzen dieser Welt hinaus zu entfalten. Damit meine ich die Bewegung vom Konkreten zum Abstrakten, von den niederen zu den höheren Zentren des Gehirns, oder die Bewegung vom Rudimentären zum Feinen. Mit anderen Worten, die Fähigkeit Herz und Hirn zu verbinden. Eigentlich ginge es hier los. Hier würde es spannend.
An dieser Stelle tritt das Herz auf die kleine Bühne.

Im Zuschauerraum wenige Gäste. Die Mehrzahl der Menschen sind alle mit den großen Bühnen dieser Welt beschäftigt. Hier läuft die Show.
Bildung und Erziehung gehen größtenteils diese Wege. Wir leben in einer Welt, die uns glauben machen möchte, dass es nur ein Lernen bezogen auf Gehirn und Nervensystem gäbe. Dieser Blick auf die menschliche Entwicklung muss ständig beschallt, aktiviert und gefördert werden.
Die leisen Töne auf der kleinen Bühne interessieren nur wenige.

Mehr denn je habe ich den Eindruck, das die natürliche Entwicklung der Kinder zu scheitern droht. Ohne es zu merken, werden Familien immer mehr Opfer einer technisierten Vorstellung von einem Körper-Geist Modell. Der Sog ist ein Denkkonstrukt, das viel Gedöns benötigt, um messbare Ergebnisse zu erzielen.
Die Idee ist, dass unserer menschliches Grundgerüst nicht gut genug wäre und durch‚Technologie und Tschingderassabum verbessert und verfeinert werden müsste.

Das, obwohl wir die eigenen Bordmittel ( unser einzigartiges, eigenes ‚Instrument‘ ) noch lange nicht ausgereizt haben. Wir Menschen haben unsere Möglichkeiten noch nicht einmal erfasst. Ich habe den Eindruck, sie werden uns regelrecht verschwiegen oder wir werden in einem Dauerstrudel der Verwirrung gehalten.

Zu Beginn dieses Textes habe ich dir beschrieben, wie sehr es mich berührt, wie Kinder ihren Intellekt entfalten. Intellekt forscht, will neue Dinge herausfinden, addiert 1 und 1. Der Intellekt ist immerzu damit beschäftigt Probleme und Fragestellungen zu lösen. Der Intellekt wird gefüttert und liebt das Lineare, das Logische, die Technologie und die Wissenschaft.

Doch damit ist es nicht zu Ende, denn eigentlich möchte sich der Intellekt mit der Intelligenz verbinden. Das Herz ruft. Können wir es noch hören?
Der Intellekt ist der Spielpartner des Gehirns, die Intelligenz ist die Spielpartnerin des Herzens, das, was alles Leben verbindet.

Sie möchte nicht vordergründig forschen, erkunden und Probleme lösen.
Sie möchte wollwollend der Erde dienen. Sie möchte erhalten, teilen, sie sucht nach Gleichgewicht, einem gesunden Maß in allem, sie strebt nach Weisheit.

Die verzwickte Sache ist, dass das Herz von Geburt an seinen Weg durch alle Ritzen sucht. Es will weich und geschmeidig gehalten bleiben im Kinde. Es möchte gefüttert, gesehen und genährt werden. Wird es das in zu geringem Maße in den ersten Lebensmonaten/-jahren, dann verhärtet es und schrumpft.
Ist es verhärtet und etwas eingeschrumpft, dann kann es die volle menschliche Entwicklung nicht vollziehen. Das hat Auswirkungen über alle nächsten Generationen.

Das Herz, im übertragenen Sinne, verliert an Kraft und eine Verbindung von Herz und Kopf wird erschwert.
Das bedeutet für mich, dass der mitfühlenden, emphatische Mensch sich nur schwer entfalten kann.
Hier werden die leisen Töne benötigt, das Stille, das Achtsame, das Unspektakuläre. Das Herz möchte glücklicherweise immerzu Gelegenheit haben, sich nach zu entfalten, falls es als Kind allzu sehr verletzt wurde.

Meine Arbeit durch das ‚WundersameLernen‘ möchte ein paar Gäste in den Zuschauerraum des kleinen Theaters einladen.
Es gibt noch Karten.


Warum Vertrauen wichtiger ist als gute Noten

Warum Vertrauen wichtiger ist als gute Noten

Zu meiner Schulzeit war es völlig unüblich, dass meine Eltern, bezogen auf meine Beziehung zu den Lehrern, hinter mir gestanden hätten. Ich war im Grunde immer unter Generalverdacht, dass es meine Schuld gewesen wäre, wenn etwas schief gelaufen ist.

Ich erinnere mich sehr gut, dass ich zu Hause versucht habe, die eine oder andere Ungerechtigkeit mir gegenüber zu thematisieren. Dies wurde grundsätzlich immer abgetan, ignoriert oder so kommentiert, dass ich ja sicherlich meinen Teil dazu getan hätte, weshalb der Lehrer so reagiert hätte.
Sprich, mein Empfinden wurde grundsätzlich für bedeutungslos gehalten, der Lehrer in seiner Funktion hatte immer Recht, egal was er sich erlaubt hat.
Das ist schon eine ziemlich miese Position für ein Kind.

Kindern heute geht es aber nicht notwendigerweise besser.
Viele sind in einer ähnlich prekären Lage. Etwas läuft beispielsweise in der Schule schief, die Eltern werden für ein Gespräch einbestellt, aber die Situation für das eine oder andere Kind ist ähnlich mies, nur anders.

Heute wissen wir, dass eine gute Beziehung zwischen Kind, Eltern und LehrerIn, eine wesentlichen Bedingung für eine gedeihliche Entwicklung ist.
Unsäglicherweise befinden sich Erwachsene wie das Kind in 1000 Verstrickungen, die es jeweils nicht leicht machen, dass die Erwachsenen die Klarheit über ihre Verantwortlichkeiten behalten.
Eine gute Beziehung und eine Art Kommunikation, die es erlaubt, dass Menschen sich zeigen, hat noch eine Menge Entwicklungspotential nach oben.

Allzuoft wird die Unfähigkeit der Erwachsenen, Klarheit in der Beziehung zum Kind zu leben, über den Rücken des Kindes ausgetragen.
Kinder haben, wenn Erwachsene nicht die volle Verantwortung übernehmen kaum eine Chance sich offen mit und in ihrem Schmerz zu zeigen.
Was geschieht ist, dass Erwachsene (Lehrerin /Eltern) leicht übersehen, dass sie unter Umständen nicht recht an ihrem Platz stehen.
So stehen die Kinder leider oftmals zwischen den Erwachsenen (Lehrer/ Eltern) (Eltern/Eltern)und ein gewisses Gezerre um ihre ‚mangelnde Performance‘ entsteht.

So, wie zu meiner Zeit ist es leider noch oft so, dass Kinder zu Objekten von Interessen werden, statt im Zusammenleben mit Erwachsenen die Chance zu haben, sich als Subjekt ihrer eigenen Angelegenheiten zu entfalten.

Die Strukturen sind nur etwas subtiler geworden. Von: „Der Erwachsene hat immer recht“ zu: „Erwachsene sind „pädagogisch aufgesetzt nett - aber nicht verantwortlich“.
Diese unklare, klebrige Beziehung zu Kindern, macht es nicht unbedingt leichter, als für mich damals.

Wenn Erwachsenen klar wäre, dass sie selbst vollumfänglich für Beziehung verantwortlich sind, dann erst hätten junge Menschen die Chance sich in und mit ihren wirklichen Gefühlen zu zeigen und alle könnten daraus lernen.
Kinder müssten ihren Unmut nicht in kanalisieren, was miteinander leben/lernen oft so schwierig macht.

Sie könnten lernen Erwachsenen zu vertrauen, wenn sie erleben würden, dass Erwachsene an ihrem Punkt stehen.
Was Eltern betrifft, wäre dieser Punkt vielleicht hinter dem Kind zu stehen?
Wir wissen heute, wie desaströs Schule sein kann. Damit sich Kinder nicht im Spannungsfeld zwischen den Erwachsenen aufzehren, wäre es in vielen Fällen hilfreich, wenn Kinder dann wenigsten das uneingeschränkte Vertrauen ihrer Eltern hinter sich wüssten.
Die Position am Haken zwischen Schule oder Eltern (Elternteil/Elternteil) ist denkbar schlecht. Bei all den umgedeihlichen Bedingungen in vielen Schulen, wäre es besser, wenn wenigstens die Eltern die Zugkraft am Haken loslassen würden, besser beide.

Dies bedeutet zu erkennen, dass ein Kind sich in einer wirklich schweren Position befindet. Es kann sehr hilfreich sein, dies auch zu verbalisieren und das Kind für das Durchstehen dieser kläglichen Situationen anzuerkennen.
„Es ist Wochenende-was bin ich stolz auf dich, dass du diese Woche dies und das (in der Schule) so toll hinbekommen hast. Ich weiß, das ist im Moment alles nicht leicht, doch dafür kannst du nichts! …“

In dieser Art kann Kind wenigstens die Erwachsenen hinter sich wissen. Es kann Ältere als starke Persönlichkeiten erleben und erfahren. Sprich, bei all dem Übel in vielen Schulen (oder zu Hause), kann so manches Kind wenigstens lernen, dass Erwachsene ihm vertrauen und hinter ihm stehen.
Wertvoll ein Leben lang.

In meinem Buch 'JENSEITS ALLER ERZIEHUNGSVORSTELLUNGEN' verarbeite ich dieses Thema in einer phantasievollen Geschichtserzählung. Die Illustration im Buch und hier stammt von meiner Tochter Ida, die in Schottland als Illustratorin lebt und arbeitet.