Hoffnungslos im Schulsystem eingeklemmt. Wissen wir eigentlich noch, was wir tun?

Hoffnungslos im Schulsystem eingeklemmt. Wissen wir eigentlich noch, was wir tun?

Wir nennen sie einfach mal Marie. Sie steht stellvertretend für alle Kinder, die, aus was für Gründen auch immer, im derzeitigen Schulsystem nicht zurecht kommen. Die Gründe sind mannigfach, aber die Hoffnungslosigkeit für die Kinder und auch deren Eltern ist gleich, vor allem ist sie fast unerträglich.

Es ist eine wahre Geschichte, eine, von den vielen, die mir Eltern in den vergangenen Wochen zugetragen haben. Allen gemein ist, dass die Beteiligten so tief im Schmerz sind, dass eine einfache Lösung nicht leicht zu entwickeln ist. In allen Fällen macht die Verstrickung der Beteiligten in ihren ganz normalen Lebenszusammenhängen, eine Bewegung in eine Richtung – irgendeine Richtung – fast unmöglich.

Die unsägliche Schulpflicht und das verbohrte Einhalten müssen eines Lehrplans sind hier die Ketten, die Eltern wie Kinder am Marterpfahl anbinden.
Es geht doch längst nicht mehr um die Kinder und den Wunsch, dass sie einen guten und freundlichen Start ins Leben haben. Es geht um das Einhalten und dienstmäßige Durchsetzen irgendwelcher Papiervorgaben. Um die Kinder geht es nicht.

Marie hat in Mitten eines Schuljahres die Schule wechseln müssen. Es gab gute Gründe dafür. Ihre Zeit an der anderen Schule war alles andere als einfach für sie. Auch sie ist eines dieser Kinder, dass im Grunde ganz individuell gestrickte Umstände bräuchte, um Schule möglichst unbeschadet zu überstehen. Sie trägt besondere Begabungen. Ich benutze an dieser Stelle ganz bewusst nicht das Wort ‚hochbegabt‘. Ich möchte sie für diesen Artikel nicht mit der Bezeichnung ‚hochbegabt‘ aus dem Kreis der anderen Kinder zerren, die ja, jedes für sich auch bestimmte Begabungen tragen.

Diese Begabungen und Eigenheiten der Einzelnen finden in ihrem schulischen und sozialen Zusammenhängen keinen Kanal. Auf Grund der strengen Taktung von Schulleben können sie keinen Ausdruck finden.
Es ist schlichtweg keine Zeit für Individualität. Nicht nur keine Zeit, sondern auch kein Einsehen dafür, dass kein Kind sich unter diesen Umständen gut entwickeln kann. Man macht das Einhalten eines Lehrplans zur angebeteten, stählernen Statur. Der sieht so vielen unnützen Stoff vor, dass keine Zeit bleibt für Leben außerhalb der Bildungskralle.

Genau wie in den anderen Geschichten der Kinder, die ich mir in den letzen 14 Tagen anhörte, muß Marie darunter leiden, dass sie mit ihren individuellen Stärken und Begabungen ja gar nicht erst wahrgenommen wird. Sie, wie viele andere, wird lediglich an ihrer Fähigkeit gemessen, wie sie in der Lage ist, vorgegebenen Schulstoff zu schlucken.

Nicht nur, dass sie unter diesen Umständen keine Gelegenheit bekommt, sich mit dem zu beschäftigen, wo nach ihre Seele eigentlich schreit. Nein, sie wird auch noch an dem gemessen, was gar nicht ihr entspricht.

Die Messlatte ist eine willkürlich festgelegte Messlatte. Vergessen wir das nicht. Eine, die vielleicht für den Weg ins Industriezeitalter von gewisser Bedeutung war. Man hat diese Messlatte genommen und legt sie laufend höher, ohne wirklich ersthaft zu überlegen, dass ein ‚Höher-Größer-Schneller-Weiter‘ junge Menschen in eine Krise treibt. Diese ist doch längst nicht mehr zu verantworten.

Marie verstellt sich und verbiegt sich, um diesen unmenschlichen Ansprüchen genügen zu können. Da sind die Erwartungen eines völlig überdrehten Schulsystems. Da sind aber auch die Erwartungen der Eltern. Unter Umständen haben diese noch unterschiedliche Ansprüche. Der Druck von außen wird so groß, dass sie es kaum noch aushalten kann.
Sie verdreht und verbiegt sich, weil sie natürlich versucht dem allen gerecht zu werden. Die anderen machen das ja auch.
Inzwischen steht sie so unter einer inneren Anspannung. Diese führt dazu, dass sie zu Hause und in ihrem Freundinnen Kreis nur mehr explosiv reagieren kann. Sie beginnt damit, es sich mit den besten Freundinnen zu ‚versauen‘.

In ihren jungen Jahren hat sie einen Arbeitstag, anspruchsvoller wie der, vieler Erwachsener. An der neuen Schule hat sie nun an 4 Tagen Ganztagsunterricht. Als ob das nicht schon genug wäre, so bekommen die Kinder, nach einem ganzen Tag Schule, auch noch Hausaufgaben.

Sind wir als Verantwortung tragende Erwachsene, eigentlich noch zu retten? Wer bitte läßt sich so einen Irrsinn einfallen? Wir müssten doch aufstehen und alle signalisieren, dass das ganze System unsere Kinder krank macht!

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Marie, wie viele andere ist unter enormem Druck. Sie weiß nicht wohin, mit sich selbst.

Immer mehr reagiert sie anderen gegenüber unangemessen. Die Situation verschärft sich.

Ganz ähnlich wäre hier die Geschichte der anderen Kinder, die ich in der vergangenen Woche gehört habe. Natürlich aber sind die individuellen Reaktionsweisen unterschiedlich.

Das eine Kind reagiert konfrontativ-explosiv. Das andere Kind reagiert durch Rückzug, wird still und zieht sich in sich zurück. Andere entwickeln Abhängigkeiten, Essen zu viel oder zu wenig. Sie bekommen Bauch- oder Kopfschmerzen. Nun beginnt der Tanz zu Beratern, Ärzten, Therapeuten und zur Nachhilfe. Monate oder Jahre gehen ins Land.

  • Noch mehr Termine
  • Noch mehr Sorgen
  • Noch mehr Kosten
  • Noch mehr Stress.

Allen diesen tragischen Geschichten ist gemeinsam, dass Kinder wie Eltern in einer kompletten Ohnmacht stecken. Das ist auch klar, denn im Moment sind insbesondere die Kinder, die  ganz bestimmte Bedürfnisse haben (das sind vielleicht sogar alle Kinder), in erster Linie eingequetscht in ein unflexibles und wenig bewegliches System.
Wenn man jedes Dach von jedem Haus abnehmen würde und dann mal von oben schauen würde, dann möchte ich nicht wissen, wieviel Drama sich in jedem Haushalt zum Thema Schule abspielt?

Alle machen weiter.

Eltern versuchen sogar Schulwechsel, unter Umständen mitten im laufenden Jahr. Verzweifelt suchen sie nach den anderen Möglichkeiten. Die Warteliste an dieser oder jener Schule ist eine Riesenhürde. Man kann sich nicht bewegen und muss sein verzweifeltes Kind doch täglich in diese Schule bringen, von der man weiß, dass es im Moment dort überhaupt nicht zurecht kommt.

Ist das nicht grauenvoll? Ist das nicht Folter? Ich bin sauer und ungehalten darüber. Ich bin sauer, dass wir Eltern das alles mitmachen. Ich bin sauer, dass die Augen zu und durch Mentalität für das eigene Kind so groß ist. Wir müssen gemeinschaftlich denken lernen. Ja, ich wünsche mir, dass auch die mitdenken und helfen, deren Kind scheinbar problemlos durchrutscht.

Im Grunde müssten wir doch alle aufstehen und dem Einhalt gebieten. Es geht doch um die körperliche und seelische Gesundheit unserer Kinder. Es geht um die gesunde Entfaltung einer ganzen Generation.

Stattdessen geht es einfach nur weiter. Was soll ich dir sagen, es wird sogar noch schlimmer. Kannst du das glauben?

Für Marie ist es noch nicht zu Ende. Sie kam dann, nach einigem Suchen und ernsthaften Entscheidungen, an eben diesem Gymnasium an.

An ihrem ersten Schultag in der neuen Schule kam sie als Fremde in die Klasse. Hier wurde sie weder begrüßt, noch durch einen ausgebildeten Pädagogen (stell dir vor) mit ein paar wohlwollenden Gesten in die Klassengemeinschaft integriert.
Der Unterricht wurde einfach weitergeführt. Business as usual. Kannst du das glauben? Ja, so war das.

Jetzt bist du dran. Ich glaube es geht hier längst nicht mehr um mein Kind und dein Kind. Es geht um unser aller Kinder. Wir müssen darüber reden. Die Umstände aufzeigen. Wir müssen damit aufhören uns in diese Wege hineinziehen zu lassen, die die Kinder immer mehr zu Opfern dieser krankmachenden Umstände macht.
Es könnte so viel einfacher sein. Ich bin so dankbar für all die Bewegung und all die Initiativen, die sich an vielen Orten aufmachen und für bessere Umstände sorgen. Dann sind wir noch lange nicht da, dass Kinder frei und selbstbestimmt lernen können. Für all die Maries da draußen ist es vielleicht zu spät. Aber es ist ein Anfang. Immerhin!

Eher bildhaft ausgedrückt, als Geschichte verpackt, findest du dieses Thema aufgearbeitet, in diesem Beitrag.

Den heutigen Artikel kannst du richtig gerne teilen.


‚Loving backbone‘ in Erziehung.

‚Loving backbone‘ in Erziehung. Oder wie man allgegenwärtige Verunsicherung überwindet.

Am Wochenende hatte ich eine Jugendgruppe zu Gast hier in der Mühle. Das Gelände hatte sich in gewisser Weise in ein Zeltlager verwandelt.

Diese Jugendgruppe war schon zum zweiten mal zu Gast hier und ich hatte wieder einmal Gelegenheit bemerkenswerte junge Menschen kennenzulernen.

Vermutlich würdest du nicht glauben, wie friedvoll und ruhig diese Tage waren. Es waren alles Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 19 Jahren, die unter sehr schwierigen Bedingungen aufwachsen müssen und in einigen Fällen darüber hinaus auch noch schwere Krankheiten haben. Sie bedürfen der besonderen Betreuung, bis sie lernen, diese Dinge eigenverantwortlich zu handhaben. Eine doppelte Packung, wenn du so willst.

Es ist ganz sicher dem Vertrauen und Wohlwollen dieser sehr erfahrenen Betreuer zu verdanken, (und dem besonderen Ort ‚Köttigermühle‘ -grins-), dass hier eine so ruhige und ausgeglichene Stimmung auf dem Hof war.

Ich konnte mich gar nicht satt sehen, dabei die Menschen zu beobachten. Es waren so schöne Begegnungen, kurze Gespräche und Beobachtungen.

In ihrer Einrichtung haben sie im normalen Alltag sicherlich ein sehr getaktetes Leben zwischen institutionellen Rahmenbedingungen, Schule, Therapien, Arztbesuchen, Bettgezeiten und Freizeitveranstaltungen. Vergleichbar mit eben den Verstrickungen, mit denen wir alle zu tun haben. Vermutlich haben auch sie wenig Zeit für einfach SEIN dürfen.

Das war es genau, was deren Betreuer hier auf der Mühle für ihre Schützlinge wollten. Sie hätten in diesen Tagen natürlich auch ein fettes Programm abziehen können. Sie hätten die Möglichkeiten dieser Gegend voll und ganz ausschöpfen können.

Eine Fahrt auf der Lahn, ein Besuch im Museum, in den Tropfsteinhöhlen, hin zum Tiergehege und ab zum Kletterpark.
Aber nein, das war nicht deren Absicht. Da war die Mühle, die Wiesen, die Tiere, das Essen, ein paar Fussbälle, zwei kleine Ausflüge-das wars.

Dazwischen war Raum für all die Begegnungen und Möglichkeiten dieser Gruppe, die sich in deren institutioneller Heimatumgebung vermutlich kaum ergeben können, da einfach Alltag ist.
Hier ist ein Raum für Beziehung entstanden, für Gespräche, für Spiele, für Auseinandersetzungen und kleine Streitereien. Das ganz normale Chaos eben. Ein Chaos, was vielleicht anders ist, als das Alltagschaos. Darin liegt der Zauber.

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Die hauptverantwortliche Betreuerin hat eine langjährige Beziehung zu ihren Kids, die es ihr ermöglicht diese schwierigen Kinder an langen Leinen laufen zu lassen. Da war nicht alles durchgeplant und auf Listen aufgeschrieben, sondern sie hat es verstanden auf vertrauensvolle Art, das stinknormale Leben herein zu lassen. Das, was eben alles passiert, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist, die ein so problematisches Potential haben kann, dass so mancher Verantwortliche sich nicht einmal mit dreien dieser Kids alleine irgendwo hinbegeben würde. Geschweige denn in eine Zeltfreizeit, noch dazu ohne festen Plan.

Ich war wieder berührt, wie respektvoll, diese jungen Menschen hier mit den Tieren, Gegenständen und auch mit mir umgegangen sind.

Die Kids haben, obwohl sie sicher auch ganz andere Erfahrungen in ihrem Leben haben, mir so viel Positives entgegengebracht, dass ich einfach immer wieder nur staunen musste.

  • Man hat sich bei mir entschuldigt, weil man einen meiner Gegenstände versehentlich kaputt gemacht hat (Kind 8 Jahre)
  • Man hat sich bei mir persönlich bedankt, weil ich ein veganes Gericht für sie gekocht hatte (junge Frau 19 Jahre)
  • Man hat versucht 😉 sich an die Hausregeln zu halten, die ich von meiner Seite, für die Freizeit aufgestellt hatte.

Ich schreibe dir das, denn es ist ‚draußen‘ so oft die Rede, von diesen schwierigen jungen Menschen, die eine härtere Hand bräuchten, oder mehr Disziplinierung oder ausgeklügelte Strafen, die jetzt ja auch immer mal gerne Konsequenzen genannt werden.

Ich habe hier durchaus eine Menge ‚Loving-backbone’ wahrgenommen. Es wurden ganz klar auch persönliche Grenzen vermittelt, ‚nein‘ gesagt, ‚das will ich nicht‘, ‚jetzt möchte ich aber, dass du…‘, ‚mach das jetzt‘, ‚du musst noch….‘ usw.

Mit ‚Loving-backbone‘ meine ich dieses feine Spiel zwischen dem Vertrauen in die ‚Richtigkeit‘ eines jungen Menschen und die Haltung ihn in seinem Sein zu respektieren, ihm die Möglichkeit zu geben, sein Innerstes, sei es auch noch so verletzt, zum Ausdruck zu bringen. Im Gegensatz zu dieser mehr fließenden und wohlwollenden Haltung, aber auch eine gewisse Form von Widerstand zu bieten. Einen guten festen Widerstand eben, der es einem Kind ermöglicht, seinen Platz zwischen gewissen unverrückbaren Eckpfeilern/ Begrenzungen zu finden. Sich auch innerhalb der Begrenzung zu finden, die andere Menschen vorgeben.

Beides eben. Das Fließende und das ‚Statische‘. Oder anderes ausgedrückt. Mit ‚Loving-backbone‘ meine ich so etwas wie das Anerkennen der Tatsache, dass es in Erziehung und Lernen eben die Welle und das Teilchen gibt. Das wir uns weg bewegen von diesen statischen Ideen und nun auch das Fließende und das wenig ‚Richtige‘ oder ‚Starre‘ mit ins Bild nehmen. Das sind für mich die Herzens- und Beziehungsqualitäten, die nun weiter ins Bild rücken.

Dieses Einfließen der Herzensqualitäten verunsichert viele Menschen. Sie verlieren ihre Sicherheit, denn die starren Regeln geben den Eltern und Pädagogen keinen Halt und keine Sicherheit mehr von außen. Die schwierige Aufgabe liegt darin, diese Sicherheit in Erziehungsfragen in der eigenen, sicheren guten Verbindung zur inneren Wahrheit zu finden, sei es auch noch so verunsichernd im Moment.

Ich hatte in den vergangenen Tagen, mit der Jugendgruppe, wieder viel gute Gelegenheit gelebte Erziehungsweisheit zu erfahren und zu beobachten.

Mir war es ein Anliegen, dich ein Stück teilhaben zu lassen, an meiner Erfahrung, dass (Erziehungs)-Weisheit sich oft in den unscheinbaren Kleinigkeiten zeigt.
Es ist also hilfreich, sich mit den eigenen Ansprüchen nicht all zu große Berge vor sich aufzuschütten. Hohe Berge, die man kaum zu erklimmen vermag.

Es ist vielmehr hilfreich, sich mit den machbaren Kleinigkeiten zu beschäftigen. Das, was man tun kann, um Kindern Wohlwollen und Vertrauen entgegenzubringen. Davon so viel und so gut es eben geht.

Hier findest du meine Angebote. Gerne kannst du mir auch schreiben, um einen ersten Kontakt mit mir aufzunehmen.


Bist du in der Lage ‚richtig‘ Erdbeeren zu pflücken? Wie effizient muss Kind sein?

Bist du in der Lage ‚richtig‘ Erdbeeren zu pflücken? Wie effizient muss Kind sein?

Kürzlich war ich mit meinem Vater (91) auf einem Biolandhof, um Erdbeeren zu pflücken. Ein Riesenacker, voll mit Erdbeerreihen vor meinen Augen.
Mit zwei großen Schüsseln unter den Armen, begebe ich mich zwischen die Reihen und beginne freudig mein Werk. Kaum kann ich es erwarten, bis die erste selbst gepflückte Erdbeere auf meiner Zunge zergeht. Eine in meinem Mund, zwei in die Schüssel, zwei in meinen Bauch, drei Reihen quer gehen. Hier mal naschen, da mal pflücken.

Meine Schüssel füllt sich, in dieser etwas chaotisch, mehr umher tanzenden Art. Mir geht es gut. Ich geniesse die Zeit auf dem Erdbeerfeld und beobachte aus einem Auge heraus meinen Vater, der nun auf einem Stuhl im Schatten angekommen, die Stille und die eine oder andere Hand voll Erdbeeren geniesst.
Ich sehe ihn, es geht ihm gut. Die Finger verklebt, Hose und T-Shirt fleckig vom tropfenden Erdbeersaft, den Sonnenhut im Gesicht.

Es war ein Ausflug in die Erdbeeren, der mehr eine Vater -Tochter Zeit sein sollte, als ein ergebnisorientierter Pflück-Abriss.

Nun erfahre ich von dem jungen Erdbeerfachmann an der Kasse, dass ich gebeten werde, die Erdbeeren strukturiert zu durch pflücken. Er möchte mir eine Reihe zuweisen und bittet mich, das Ende meiner effizienten Pflückung, durch das Markieren mit einem Häufchen Stroh sichtbar zu machen.

Einige Minuten versuche ich mich auch artig daran zu halten. Ich bemühe mich ernsthaft Erdbeeren ‚richtig‘ zu pflücken.
Fachgemäß erklärt mir der junge Mann, dass sich meine Schüsseln dann viel schneller füllen würden. 
Ich verstehe. Ja, es macht Sinn, Erdbeeren genau in dieser Art zu pflücken.

Aber verdammt! Es mag mir nicht so recht gelingen. Es will mir einfach nicht von der Hand gehen, Erdbeeren ‚richtig‘ zu pflücken. Effizient, zielorientiert und strukturiert.
Ich, die ich zu diesen Menschen gehöre, die, wie so manches Kind ein Erdbeerfeld eher durchtanzen würde, fühle mich echt verunsichert und gestört.

Ich verstehe diesen Mann. Aus seiner Sicht eines ‚erdbeerlichen‘ Wirtschaftsunternehmens ist das alles richtig. Ja-stimmt!

Heute aber möchte ich eine Presche schlagen für all die kreativen Chaoten-Pflücker, so wie ich eine bin. Für diese Menschen (vor allem die vielen Kinder), die ihren Weg scheinbar strukturlos tanzen. Für diese Chaoten, die keinen blassen Schimmer davon haben und vermutlich kaum je haben werden, dass sich eine Schüssel schneller anfüllt, wenn man in der Reihe bleibt.
Denen es in diesem Moment auch reichlich egal ist, weil sie Freude, vielleicht sogar den Sinn im Leben, genau zwischen den Erdbeerreihen finden.

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Ich, wie viele Kinder, wir tun uns so entsetzlich schwer in geraden Linien zu pflücken. Wir benötigen das Hopsen zwischen den Reihen. Je älter wir werden, desto besser verstehen wir dann auch das wir die‚ ‚Erwachsenen-gerade-Linien-Erdbeerpflücker’ total aus ihrem Konzept bringen. Durch unser kreatives Chaos verunsichern wir diese mehr strukturierten Wesen. Durch unsere Lebens- und Denkweise bringen wir jede Organisation und jede feste Struktur ins Wanken. (Umgekehrt, sind wir Chaoten-Erdbeerpflücker natürlich ebenso durch die gängigen Denkweisen gestört)

Heute möchte ich dich um Unterstützung und vor allem, um verbindende Gedanken bitten. Ich möchte auch deine Ideen einsammeln, um die Daseinsberechtigung der ineffizienten Erdbeerpflücker zu zementieren.

  • (Er)kennst du sie?
  • Welche Funktionen haben kreative Chaoten-Pflücker?
  • Wo können strukturierte und chaotische Erdbeerpflücker Hand in Hand arbeiten?
  • Wie würde eine Welt ausschauen, in der es Verständnis für Erdbeerpflücker jeder Couleur gäbe?

In einer Welt, die derzeit sehr dazu angehalten ist, junge Menschen dazu zu bewegen, Erdbeeren ausschliesslich nach Effizienz und in der Reihe zu pflücken, gehen (junge) Menschen, die ihr Leben zwischen den Reihen tanzen müssen, unter. Sie sind anders begabt und auf völlig andere Art und Weise effizient.
Sie brauchen unser gutes Auge und unser Wohlwollen, denn sie sind die notwendigen, exotischen Gewürze in der Suppe. Sie sind die erforderlichen, feinen Nuancen, die es verhindern sollen, dass Einheitsbrei entsteht. Sie sind Wächter, damit sich die menschliche Tendenz, Einheitsbrei zu kochen, immer wieder in Möglichkeiten für individuelle Geschmackserlebnisse, verwandeln kann.

Schreib mir gerne, wie du persönlich deine Erdbeeren pflückst und freu’ dich mit mir, dass es auch die jeweils anderen Herangehensweisen gibt.

Hier findest du mein Beratungsangebot. Gerne kannst du auch neuerdings zur Mühle kommen und eine Übernachtung im neuen Scheunen-Loft mit einer Mischung aus Beratung und Behandlung kombinieren. Schreib mich einfach an.


Wo Liebe auch ‚gemacht‘ wird. Begegnung mit kleinen Kindern in deren Zeitblase.

Wo Liebe auch ‚gemacht‘ wird. Begegnung mit kleinen Kindern in deren Zeitblase.

Kannst du dich für einen Moment mit mir einfinden in der Vorstellung eines zauberhaften Augenblickes intimer Zweisamkeit mit einem(r) Liebsten?
Diese berauschenden Momente von körperlicher Nähe. Dieses gemeinsame Eintauchen in Zeitlosigkeit und das Erstaunen beim Blick auf die Uhr. Du kannst nicht glauben, dass gerade vier Stunden vergangen sind. Wie konnte das sein?

Dann bricht der normale Alltag ein. Erste Bemerkungen fallen, über die Erledigungen, die gleich anstehen werden. Plötzlich ist das Thema Steuererklärung im Raum und vielleicht ein unangenehmer Telefonanruf, der zu erledigen ist. Du beobachtest, wie du ganz langsam aus den Tiefen der Grenzenlosigkeit auftauchst, nur um im nächsten Moment wieder auf dem Boden, der von dir geschaffenen Alltagsrealität zu stehen.

Ein etwas ruppiger Landeanflug im Alltag läßt dich etwas sehnsüchtig zurückblicken, aber das wundersame Zeitfenster hat sich verschlossen. Etwas ‚grummelig‘ gehst du dem Rest des Tages entgegen, leicht verträumt, doch die ‚To-do-Liste‘ ruft.

Dieses Wort ‚grummelig‘ ist es, dass ich heute im Bezug auf das Leben mit Kleinkindern mit dir untersuchen möchte. Ich kann sehr  gut verstehen, warum viele Kinder oft ‚grummelig‘ mit dem Leben der Erwachsnen sind.

Oben im Text habe ich versucht, diese Momente der Zeitlosigkeit und innigen Verbundenheit zu beschreiben, die auch unsere Kleinsten erleben. Durch eine unsichtbare Nabelschnur fühlen sie sich mit uns verbunden. Sie kennen dieses Schweben in der Zeit- und Bedingungslosigkeit aus dem Mutterleib, dem Ort, dem sie kürzlich entschlüpft sind.

‚Dort‘ wollen sie sich mit uns verbinden. ‚Dort‘ fühlen sie sich sicher und ‚dort‘ wollen sie sein. Dorthin wollen sie uns bewegen. Vielleicht etwas die Tatsache verleugnend, dass sie sich nun in einem neuen Raum auf der Erde befinden. Der Wohnstatt, die sie nun neu in ihrem Leben ‚einrichten‘ müssen, sie sich zu eigen machen müssen.
Die einen haben eine zartere Landung auf diesem Plateau ihrer Entwicklung, andere haben die oben beschriebene ruppige Landung und es gibt sicher auch die Kinder, die eine verheerende Bruchlandung, vielleicht sogar einen Absturz erlebt haben.

Ich umschreibe dir heute dieses Bild, damit du ein wenig Verständnis dafür haben kannst, dass die Kleinsten oft ‚grummelig‘ sind oder werden, weil die gestressten Erwachsenen so wenig in der Lage sind, mit ihnen gefühlvolle Landungen im Alltagsbewusstsein hinzulegen. Viel zu oft erwarten wir von ihnen, dass sie diese Wechsel in Bewusstseinszuständen, mit ihrem rationalen Verstand versehen müssten (den sie ja noch gar nicht haben), so wie Erwachsene es tun.
Wir erwarten von ihnen, dass sie bei allem Stress der Erwachsenen, sanft in den Schlaf gleiten und jeder Aktivität im Supermarkt, im Autostau, im Wartezimmer beim Arzt verdauen müssten, wie wir es aus dem Erwachsenenbewusstsein heraus meinen verarbeiten, ja auch akzeptieren zu müssen. (dabei sind wir ja selbst gestresst durch mangelndes Verbundensein in die Natur der Dinge)

Gerade in letzter Zeit habe ich viel mit jungen Müttern zu tun. Junge Frauen, die durch das Leben mit einem Baby gestresst sind, noch mehr vielleicht, wenn ein Geschwisterkind dazu kommt und diese mühsam aufgebauten starren Familienrituale (Versuch von Zeitmanagement) kräftig ins Wanken geraten.

Neben den ganz individuellen Herausforderungen, die jede junge Mutter, aufgrund ihrer eigenen Verstrickungen hat, möchte ich heute mein Augenmerk auf ZEIT legen.

Junge Familien haben keine Zeit. Und es ist eine seltsame Tugend, geschäftig zu sein. Als ob der Grat von Geschäftigkeit in irgendeiner Weise eine Aussage zu geben scheint, über die Wichtigkeit eines bestimmten Menschen. Je beschäftigter jemand ist, desto mehr Bedeutung scheint er zu haben. Ja gewisse Sachzwänge sind auch da, aber eben auch viel unnötiger, gemachter Stress.

Es gibt aber auch so viel zu tun, meint man. So einiges, was in gewisse Zeitfenster hineingepackt werden müsste? Das pure Zusammenleben mit einem Baby oder Kleinkind scheint heutzutage keinen Wert mehr zu haben. Viele Mütter meinen sich verteidigen zu müssen, wenn sie nicht Arbeiten gehen oder das Kleinkind nicht in die Krippe geben. Dieses Verschwinden der Mütter in der Zeitblase der Kinder wird irgendwie nicht gerne gesehen. Man hat kein Verständnis dafür.

Babies werden so ‚geplant’, dass das zweite Kind kommt, wenn das erste in den Kindergarten gehen kann. Man erhofft sich eine Erleichterung der Dinge, nicht wissend, dass die einzuhaltenden Zeitstrukturen den kleinen Kindern nur um so mehr entgegen weht. Kinder operieren in einem ganz anderen Zeitempfinden und benötigen auch diese ‚nicht Taktung‘ im Äußeren.

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Es gibt die jungen Mütter, die sich nicht vorstellen können, einige Tage mit zwei Kindern zu verbringen, ohne, dass sie die angebliche Notwendigkeit einer Fremdbetreuung haben. In unserer Kultur scheint es inzwischen so gewöhnlich zu sein, schon mit ein oder zwei Kleinkindern einen so getakteten Alltag zu haben, dass diese Momente der Muße und des Nichtstuns, als Langeweile, Leere und damit Stress empfunden werden. Mütter scheinen zu verlernen, mit Kindern Zeit verbringen zu können, die jenseits einer gemachten Geschäftigkeit liegt. Es fällt schwer zu sagen: „Ich habe heute den Tag (oder die Stunden)  mit dem Kind verbracht und es war einfach schön. Wir haben einfach nur dies und das gemacht.“

Die Taktung des Lebens ist normal geworden und die Stille und Muße und Zeitlosigkeit stressen uns. Das ist doch seltsam, oder?

Unsäglicherweise sind dies genau die ‚Zeiten‘, in denen die Kleinsten gute Gelegenheit hätten mit uns in Verbindung zu sein. Wir würden ihnen auf ihrem Plateau in ihrem gewohnten, entspannten ‚Paralleluniversum‘ begegnen können. Wir hätten Gelegenheit einfach mit Ihnen zu SEIN.
Dieser Zustand eben, von dem wir so angestrengt beim Yoga, bei der Meditation oder beim Hobby versuchen uns selbst zu begegnen.

Die Kinder würden gerne ein wenig davon mit uns haben. Wir übersehen ihre ungezählten Einladungen über den Tag. Sie wünschen sich mit uns in genau diese Welt, die uns ähnlich nähren würde, wie die vielleicht verlorene, intime Zweisamkeit mit einem(r) Liebsten.

Wenn wir doch alle genährt sind durch dieses Eintauchen in Zeitlosigkeit, sei es mit dem(r) Liebespartner(in) und/ oder dem Kind? Warum nur, stellen wir immer die Geschäftigkeit und die Betriebsamkeit an erste Stelle? Warum suchen wir das Genährt sein immer in den äußeren Aktivitäten? Warum nur haben wir keine feineren Antennen für dieses ‚grummelig‘ sein und wie man ihm SINNvoll begegnen könnte? Zum Wohle aller.

Warum?

 

Mindestens eine Geschichte, die genau dieses Thema der gestressten jungen Familien aufgreift, findest du in meinem Buch ‚Jenseits aller Erziehungsvorstellungen‘. Eine junge Mutter hat hier Gelegenheit auf höchst eigenwillige Art und Weise wieder positive, stärkende Erfahrungen in einer anderen Zeitqualität zu machen. Wenn das Leben mit den Kleinkindern gerade im Moment auch dich an deine Grenzen bringt, dann kannst du hier nähere Informationen zu meinem Angebot finden.


Wie kann man Selbstbestimmung in gesundheitlichen Angelegenheiten ermöglichen?

Aufnahme: www.zahnarztpraxis-baldus.de

Wie kann man die Selbstbestimmung der Kinder in gesundheitlichen Angelegenheiten ermöglichen?

Wie lernt man, den Kindern die eigenen Entscheidungen beim Arzt zuzugestehen. Wie kann man verantwortlich sein und sich im selben Moment raus halten, beim Arzt?

Eine grundlegende Haltung von mir ist die Freiheit und die Selbstbestimmung der Kinder, auch in gesundheitlichen Belangen.

Heute erzähle ich dir eine Geschichte, die sich vor einigen Wochen zugetragen hat. Sie soll dir verdeutlichen, wie ich ich im Alltag mit den Kindern lerne und im selben Moment Umstände navigiere, wenn sie mir ins Auge springen.

Ich habe einen wundervollen Zahnarzt. Was ich an ihm schätze, ist seine Haltung und sein Dialog im Umgang mit den Kindern und mir. Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle aber auch bleiben, dass ich die Qualität seiner Arbeit und seiner ‚Berührung‘ im Mund sehr schätze. Sie ist professionell, dabei achtsam und fein. Wenn wir einen Termin haben, so kommen wir meist innerhalb von 10 Minuten dran. Das ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit, für mich aber ein Zeichen seiner Haltung gegenüber der Patienten. Ich mag es, mich mit Menschen zu umgeben, die eine Haltung vertreten, die den Bedürfnissen der Menschen zugewandt ist. Dafür fahre ich gerne 60 Minuten.

Vergangene Woche hatte mein Sohn ein Anliegen und benötigte einen kurzfristigen Zahnarzttermin.
Als er auf dem Stuhl im Behandlungszimmer saß, hat der Zahnarzt sich dafür entschieden, den fragwürdigen Zahn nochmal ein paar Monate unter Beobachtung zu stellen. Er hat meinem Sohn erklärt, dass der Zahn damit nochmal die Gelegenheit habe, sich zu remineralisieren. Wenn das nicht klappen würde, dann könne man diesen Zahn später immer noch behandeln.

Mein Sohn fragte nun, ob er irgendetwas dazu tun könne, um dem Zahn zu ‚helfen‘. Der Zahnarzt fing also an, etwas zu grinsen und sprachlich zu ‚eiern‘. Mit einen lächelnden Blick in meine Richtung nahm ich wahr, dass er in gewisser Weise im Konflikt war, weil er nicht recht wusste, wie er meinem Sohn vermitteln konnte, dass er eine fluoridhaltige Zahnpasta benutze solle.

Er wusste von mir, dass ich keine Freundin von Zahnpasta mit Fluorid bin und bei den kleinen Kindern auch das Versiegeln mit Fluoridlack verweigert habe.

Nun saß ich in dieser Situation beim Zahnarzt und in dieser Sekunde wurde mir klar, dass ich den Zahnarzt ‚freisprechen‘ musste, damit er meinen Sohn vollumfänglich beraten konnte. (Mein Sohn hatte mich gebeten mit in den Behandlungsraum zu gehen.)

Im selben Moment war ich in der Situation meinem 12 jährigen Sohn vermitteln zu müssen, dass er ebenfalls frei in den Entscheidungen über seinen Körper ist. Ich möchte ja, dass die Kinder mehr und mehr in die getragene Verantwortung für den eigenen Körper wachsen. Das wiederum bedeutet, dass ich mich, je nach Alter mehr und mehr dezent zurückziehen muss, damit sie auch zu ihren eigenen Erkenntnissen kommen. Laufen diese mir noch so sehr zu wider.

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Nachdem ich also wahrnahm, dass wir hier eine Herausforderung in Fragen der Integrität hatten. Der Zahnarzt bezüglich seiner Integrität, ich bezüglich meiner Integrität und ein junger Mensch auf dem Weg herausfinden zu müssen, was für ihn stimmt, sagte ich mit freundlichem Lächeln zum Zahnarzt, : „Tun sie einfach so, als ob ich nicht dabei wäre!“
Er fing die Vorlage auf, nickte verstehend und bestätigend, dann begann er seinerseits damit, dem Sohn seine Sicht auf die Dinge zu erklären. Und das hat er dann richtig gut gemacht.

Danach war ich gespannt, was nun passieren würde.

Auf dem Nachhauseweg im Auto kam irgendwann die Rede auf die Sache mit der Zahnpasta. Ich nun, von meinen Kindern als „Ökomutti“ eingestuft, die immer diese alternativen Zahnpasten im Haus hat, wurde nun gefragt, ob wir nicht diese vom Zahnarzt empfohlene Zahnpasta kaufen könnten.

Ich teilte ihm mit, dass wir sowieso noch in den Drogeriemarkt fahren müssten und dann könne er ja da schauen, ob er die empfohlene Zahnpasta dort finden würde.

Gesagt, getan. Er hat sich die entsprechende Zahnpasta gekauft und damit einen weitern Schritt in die Verantwortung über seinen eigenen Körper getan.

Ich habe einen weiteren Schritt ‚raus aus seinem Leben‘ getan. Vielleicht sind das Kleinigkeiten für dich, für mich sind diese kleinen Beispiele aber immer wieder Möglichkeiten, wie ich ganz bewusst die Kinder in die „Freiheit“ gebe. Das tue ich, in dem ich mich an ganz bestimmten Stellen aus deren Leben und deren Entscheidungen hinausschleiche.

In der Summe und von Anfang an durchgeführt, sind diese kleinen und vielleicht unspektakulären „Returns“ an die Kinder aber die kleinen Tropfen, die irgendwann das Glas anfüllen, das eine gute Grundlage für selbstbestimmte Entscheidungen der Kinder wird. Wenn sie daraus trinken, so ist es dann ihr eigener Weg.
Allen diesen kleinen ‚Returns’ gemein ist, das dieses Herausnehmen aus den Lebens- und Entscheidungsfindungen der Kinder immer etwas mit einer gewissen Demut zu tun hat. In den meisten Fällen sind es kleine Ego-Tode für mich.
Ich muss bei diesen vielleicht kleinen und mehr oder weniger wichtigen Entscheidungen des Alltags daher kommen und meine persönlichen Meinung ganz hinten anstellen. Ist es auch manchmal noch so schwer.
So, haben die Kinder die Gelegenheit in ihre eigenen Belange hineinzuwachsen. So werden sie in die Lage versetzt, selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen, die sie persönlich tragen und bewältigen können.

Diese Situationen kann man nicht nach einem Sachbuch oder Ratgeber erlernen. Sie entstehen immer aus dem Moment heraus. Wie hier, in dieser Situationen im Behandlungszimmer des Zahnarztes. Was man dafür braucht ist, ist so manches mal, den Willen den Kindern den Ball zu überlassen und die Fähigkeit, die eigene Meinung für nicht allzu bedeutsam zu halten. In anderen Fällen kann es auch geschehen, dass wir wirklich ein Thema diskutieren müssen und ich aber auch zum Ausdruck bringe, was mir wichtig wäre.

Gerade in gesundheitlichen Angelegenheiten ist das ein ganz feiner Grat, auf dem ich mich da bewegen muss, um die Bestimmung über den eigenen Körper zu erhalten oder zu ermöglichen. Je kleiner die Kinder, um so feinere Sensoren bedarf es.

Gerne lese ich dazu, welche Fragen der heutige Beitrag bei dir aufwirft. Ich freue mich auch, wenn du diesen Beitrag teilst. Ich berate dich gern auf den verschlungenen Wegen der Kinder in eine selbstbestimmte und zufriedene Lebensart. Hier findest du meine Angebote.


Summerhill-School und ein Blitzlicht aus meinem Familienleben

Foto credit: Oscar Wilson-Brown

Summerhill-School und ein Blitzlicht aus meinem Familienleben.
„Wie wirkt sich die Tatsache auf dein Familienleben aus, dass deine Kinder zur Summerhill-School gehen?“ fragt Martina auf Facebook

Ich wollte heute einfach die Gelegenheit nutzen und in einer Form reagieren, dass auch andere Leser an meiner Antwort teilhaben können.

Für den Fall, dass du das erste mal etwas von mir liest, dann hier ein kleines Update für dich.
Mein Name ist Uta Henrich, ich bin bald 55 Jahre alt und lebe in einer alten Mühle am Rande des Westerwaldes. Ich habe 6 Kinder im Alter zwischen 12 und 27 Jahren. Alle Kinder sind vorwiegend auf diverse freie Schulen gegangen. Im Alter zwischen 8 und 11 Jahren hat jedes meiner Kinder das Haus verlassen und ist in England zur Schule gegangen. Dort haben sie ein Internat besucht. Nicht etwa ein Internat, dass du vielleicht mit England und Elite Schule, Hanni und Nanni oder Hogwarts verbinden würdest, sondern eine etwas ‚andere‘ Schule. Summerhill ist vielen bekannt, wenn man so will, ist diese Schule weltberühmt.

„Wie, die gibts noch?“ werde ich immer wieder gefragt. Kaum vorstellbar, aber die Schule wird in wenigen Jahren 100 Jahre alt. Die vermutlich älteste demokratische Schule der Welt.

Heute will ich nicht so viel über Summerhill schreiben, denn dazu kannst du dich ja oben im link informieren. Im Grunde kann ich auch nicht viel über die Schule schreiben, denn ich habe nie dort gelebt. Ich bin davon überzeugt, dass man wirklich dort gelebt haben muss, um diesen Weg von Schule bis in die Tiefe zu verstehen.

Mein Verständnis von Summerhill ist mehr indirekter Art. Ich bin „nur“ Mutter von Kindern, die dort leben, oder gelebt haben. Aktuell gehen noch die zwei jüngsten Söhne dort zur Schule und ab Herbst wird es nur noch einer sein.

Im Grunde bleibt mir also nur der Blick durch mein Familienleben hinein in die Schule. Durch die Struktur mit 3 Trimestern auf ein Jahr verteilt, spielt(e) sich mein Familienleben in ganz großen Formen von Wandel und Wechsel ab. Stell dir einfach vor, dass deine Schulkinder drei mal im Jahr für ca. 11 Wochen komplett aus dem Haus sind und den Rest des Jahres bei dir zu Hause. Das macht so einiges, sorgt für ganz eigenwillige Formen von Familienleben.

So merkwürdig das sein mag, aber eigentlich ist es so, dass die Kinder von dem Moment an, wo ich sie am Abreisetag an den Flugplatz gebracht habe, weg sind. Mit etwas Glück bekomme ich noch eine Nachricht von Ihnen, dass sie gut angekommen sind. Dann sind sie wie in einer Art Paralleluniversum. Das ‚andere‘ Leben, dass sie nun in England führen übernimmt sie, trägt sie und begleitet sie.
Ich bin zwar da, sicher auch wichtig, aber ich musste über lange Zeit lernen,  wirklich so wenig ‚gebraucht‘ zu werden. Es kann sogar geschehen, dass ich nicht einmal recht mitbekomme, wenn sie schon seit 2 Tagen Fieber haben. Wenn es ganz schlimm ist, dann rufen sie mich an, aber eigentlich eher nicht. Damit muss ich leben können, wenn die Kinder ihr ‚eigenes‘ Leben führen. Weit entfernt von mir und der Art und Weise, wie ich zu Hause ‚muttere‘.

Sind die Kinder wieder zu Hause, so dauert es in der Regel 3-4 Tage, bis wir uns wieder aufeinander eingerüttelt haben. Dann geschieht wieder das, was ich für ein mehr oder weniger normales Familienleben halten würde. Kids, die lange schlafen wollen, Diskussionen, wer die Spülmaschine ausräumt, Themen, was man gemeinsam macht und was nicht. Musik, die zu laut ist oder Auseinandersetzungen, wer im Auto vorne sitzt. Das ganz normale Chaos eben.

Oft sind sie etwas erschöpft, wenn sie nach Hause kommen. Sie tauchen dann in das „zu Hause“ sein ein. Ich habe zu Beginn der Ferien meist den Eindruck, dass sie etwas mehr Ruhe brauchen. Gemeinschaftsleben kann schon anstrengend sein. (Familienleben aber auch)

Ein für mich wesentlicher Unterschied als Mutter von Kindern, die eine Freie Schule hier in Deutschland besuchen, ist die Tatsache, dass ich als Mutter nicht eingebunden bin in 98% der Schulthemen. In gewisser Weise gehört es für Summerhill dazu, dass ich mich weitestgehenden aus allem heraus halte. Anders, als in anderen Schulinitiativen, mit denen ich auch schon verbunden war, ist meine Elternarbeit hier nicht erforderlich, sicherlich auch nicht erwünscht. Ich muss keinen Kuchen für den Basar backen, keine Klassenräume streichen, keine Fahrdienste übernehmen. Es gibt keine Elternabende.
Mit der Reise der Kinder nach England, durchschreiten sie in gewisser Weise eine Schleuse. Von dem Moment an, wo sie von der Schule entgegengenommen werden, führen sie ein ‚anderes‘ Leben. Ich habe keine Ahnung, ob sie den Unterricht besuchen, geschweige den welchen. Ich habe keinen Einfluss darauf. Wenn ich der Meinung wäre, dass sie doch lieber noch eine Fremdsprache lernen sollten, oder sich statt mit Kunst etwas mehr mit Mathe beschäftigen sollten, so habe ich wenig Möglichkeit das zum Ausdruck zu bringen. Es ist von der Idee der Schule auch nicht gewünscht, denn es geht darum, dass die Kinder ihr Leben leben und nicht mehr als nötig durch mich in ihren Entscheidungen für Tag beeinflusst werden.
Oftmals bekomme ich erst bei Erzählungen, zurück am heimischen Küchentisch mit, dass der oder die beim ‚sneeking out‘ erwischt wurde. So nennt es sich, wenn man nachts, nach ‚dem Licht aus‘, das eigene Zimmer verlässt und bei irgendwelchen Nachtaktivitäten erwischt wird. Das wird geahndet, in den meisten Fällen nicht wirklich hart, aber konsequent. Man weiß es als Kind, man tut es vielleicht, man wird erwischt, es wird geahndet und weiter geht das Leben, ohne das man sich als Kind zu schlecht fühlen muss. Sehr bemerkenswert, der Umgang mit Konflikten und Regelverstössen in Summerhill.

Ich werde nicht informiert, wenn jemand in eine Schlägerei verwickelt war, oder sich jemand so verhalten hat, dass er im Meeting ‚vorgebracht‘ wurde. Lediglich bei ganz heftigen Regelverstössen, die den weiteren Besuch von Summerhill in Frage stellen würde, werde auch ich mit möglichen Konsequenzen konfrontiert.

Das Meeting, das zwei mal die Woche stattfindet, regelt die Belange der Schule auf demokratische Weise. Unter anderem werden hier von der Gemeinschaft auch Verhaltensweisen der Einzelnen ‚verhandelt‘ ( dann wirst du ‚vorgebracht‘) , die eben nicht in das Bild der Gemeinschaft passen. Es gibt an dieser Schule mit Sicherheit mehr klare Regeln (von Kindern und Erwachsenen gemacht), als an anderen Schulen.

Summerhill Mutter zu sein, ist eine harte Schule für mich. Da fällt mir sofort das Zitat von Khalil Gibran ein:

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und die Töchter der Sehnsucht
des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben,
aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben,
aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen,
das ihr nicht besuchen könnt,
nicht einmal in euren Träumen.

Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein,
aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts
noch verweilt es im Gestern.

Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder
als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und er spannt euch mit seiner Macht,
damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt eure Bogen von er Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Khalil Gibran *1883, † 1931

Vielleicht klingt es merkwürdig für dich, aber, die Tatsache, dass die Kinder dort zur Schule gehen, hat über Jahre genau das in mir gefordert. Dieses Zitat hat mich auf geheimnisvolle Art und Weise begleitet und getragen.
Ich erinnere mich genau, wie ich als gerade frisch gebackene Mutter, dieses Zitat in der Geburtsanzeige unserer ersten Tochter versendete. Konnte ich damals nicht ahnen, dass sie kaum 11 Jahre später nach England zur Schule geht.  Oder mich genau dieses Zitat noch mehr in der Tiefe herausfordern würde, als ich es zur Zeit der Geburt des ersten Kindes erahnen konnte.

Summerhill tut mir als Mutter gut. Es fordert mich an Ecken und Enden, die ich nie wahrnehmen würde, wenn die Kinder in der Nähe zur Schule gehen würden. Summerhill testet in aller Konsequenz mein Vertrauen in die Kinder und ihre je individuellen Wege. Ich bewege mich auf einem schmalen Grat, denn ich bin oft damit konfrontiert, welche Art ‚muttern’ von mir gefragt ist. Ich habe keine Vorbilder, nur wenig Kontakt zu anderen Summerhill Müttern. Ich muss es in den kleinen oder großen Fragen selbst entwickeln. Wie ‚muttert‘ man ‚teilzeit‘?

Beispielsweise kann ich den Kindern, wenn sie in England ein so grossen Maß an Freiheit leben, nicht zu Hause vorschreiben, was sie wie zu tun hätten. Und doch sind wir hier eine Familie und eben nicht Summerhill. Hier gibt es andere Fragestellungen im Zusammenleben, die geregelt sein wollen. Da ist die Spülmaschine, oder die Wäsche. Da muss gekocht werden oder in anderen Formen Verantwortung für gewisse Dinge übernommen werden. Wie regelt man das, wenn man in Gemeinschaft auf Zeit lebt und trotzdem Familie lebt?

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Seit 2004 habe  ich dieses sehr abwechslungsreiche Familienleben. In diesem Jahr hat uns die erste Tochter nach England verlassen. Viele Fragen waren damals zu klären. Schaffe ich das, meine älteste Tochter in dieser Form abzugeben? Schaffe ich das, meine Art zu ‚muttern‘ zu ändern und mich diesem ständigen Wandel an Erfordernissen zu stellen?

Zunächst gab es ein Kind, dass nach Summerhill ging und im Abstand von einigen Jahren folgten weitere Kids auf diesem Weg. Ursprünglich hatten wir nur an die erste Tochter gedacht. Später stellte sich heraus, dass auch die anderen Kinder nach England wollten. Wir sollten wir das handhaben? Konnten wir das einem Kind zugestehen und einem anderen verneinen? Wie sollte das finanziell gestemmt werden? Wie konnte das gehen? Über die Jahre habe ich in immer anderen Familienkonstellationen hier zu Hause gelebt. Zunächst wurden es in gewisser Weise immer weniger Kinder zu Hause. Dann ging der weitaus größere Teil nach England. Bis hin zu dem Moment, dass ich nur noch mit einem ‚Einzelkind‘, diesmal einem jüngsten Sohn zu Hause lebte. Dann gab es eine Trennung vom Vater der Kinder, was das ganze Konzept natürlich wieder kräftig ins Wanken brachte. Aber es taten sich Lösungen auf. Das Projekt läuft noch immer, der Wandel ist noch immer aktiv.

Die dann letzte für mich schwierige Entscheidung war, dass auch der jüngste mit 7 Jahren nach England gehen wollte. Er wollte mit seinen Geschwistern sein, der immer wieder turnusmäßig anstehende Abschied fiel ihm ausgesprochen schwer. Zu der Zeit lebte ich schon getrennt und die Tatsache, dass mich nun auch noch der jüngste Sohn verlassen wollte, hat mich sehr stark herausgefordert. Es hatte zur Konsequenz, dass ich von dem Moment an, wo er mit den anderen das Haus verläßt, plötzlich ganz alleine zu Hause war. Eine Mutter einer Großfamilie, die nach Jahren des Trubels und der Geschäftigkeit von einem Tag auf den anderen ganz alleine lebt. Das war eine sehr schwere Zeit – und ich habe sie gemeistert. Mein Leitgedanke zu allen Zeiten war, die Kinder in die Selbstbestimmung und in die Freiheit zu geleiten. Kaum waren diese 2 Jahre um, habe ich dann wieder mit der ältesten Tochter zusammen gelebt, weil sie in ihrer Heimat ein Praktikum machen wollte. Derzeit lebe ich mit der dritten Tochter zusammen zu Hause, weil diese sich dazu entschieden hatte, nochmal ‚zu Hause‘ zu erleben. Sie macht gerade ein freiwilliges soziales Jahr, bevor sie mich im Herbst vermutlich wieder verlässt. Wer weiß, wie es weiter geht? Da sind derzeit die Fragen um Brexit, die mich natürlich beschäftigen. Vielleicht wird daraus eine weitere Hürde, die in irgendeiner Form genommen werden muss?

Das einzige, was stabil ist, ist der Wandel, kann man hier sagen.

Ich bin sehr dankbar für das vielschichtige Leben, was Summerhill ‚so ganz nebenbei‘ in mein Leben gebracht hat. Ich möchte es nicht missen und würde es jederzeit wieder genau so entscheiden. Es ist eine Schule, die auf höchst eigenwillige Art meinem Familienleben enorm beigetragen hat. Ich denke, die Kinder würden das auch so sehen.

 

Diese und andere Tatsachen und Umstände meines Lebens haben mir die Fähigkeit geschenkt, ganz wunderbar auf Fragestellungen in Erziehung und Lernen zu schauen. Diese Vielschichtigkeit im Zusammenleben in den unterschiedlichsten Konstellationen hat mich reich an Erfahrung und Einsicht beschenkt. Daran kannst du gerne teilhaben, wenn du in einer Beratung einmal, meinen sicherlich ungewöhnlichen Blick auf die Dinge benötigst? Ruf mich gerne an. Ich komme mit dir ins Gespräch darüber, was deine derzeitigen Herausforderungen mit den Kindern sind und wie du sie gestärkt angehen kannst.


Natürliches Lernen der Kinder und Verlernen der Erwachsenen - Hand in Hand

Natürliches Lernen der Kinder und Verlernen der Erwachsenen – Hand in Hand

Es ist schon eine seltsame und eigenwillige Widersprüchlichkeit, die sich im Inneren einiger Eltern und/oder Pädagogen abspielt. Sie erzählen mir, was die Auseinandersetzung mit dem Versuch, Kindern ein freieres und selbstbestimmteres Leben/Lernen zu ermöglichen, mit Ihnen macht.
Da ist einerseits das deutlich spürbare Bedürfnis, mehr Wissen und Stärke um die Tatsache anzuhäufen, dass Menschen anders lernen und völlig andere Umgebungen bräuchten, um gedeihlicher aufwachsen zu können.
Im selben Moment ist da aber auch eine Angst vor mehr Wissen. Verdrängung des unguten Gefühls, dass aus diesem Wissen eigentlich auch Konsequenzen folgen ‚könnten-müssten-sollten‘.

Wenn sich Erwachsene mit diesen Themen auseinandersetzen, dann konfrontiert sie das ganz unmittelbar mit dem eigenen Schmerz, der Unterdrückung der eigenen Kreativität und vielleicht auch Schöpferkraft. Da kann auch eine Ohnmacht sein, darum zu wissen, dass Kinder etwas anderes benötigen, um gesund und stark aufwachen zu können. Eine Veränderung oder das Ermöglichen eines anderen Weges würde fest gewachsene Strukturen ins Wanken bringen. Man liest gerne darüber, man lässt sich inspirieren. Aber nicht zu viel davon, denn das würde das eigene Lebensmodell schon ganz schön ins Wanken bringen.

Erst kürzlich hat mir eine Mutter offenbart, dass sie nicht zu oft zu mir kommen kann. Sie spürt, die Wahrheit dessen, was die Auseinandersetzung mit mehr Freiheit und Selbstbestimmung für sich und ihre Kinder bedeuten würde. Ihr Mann, so sagt sie mir, kann da nicht mitgehen. Wenn sie öfter kommen würde und damit diese Themen in ihrer Familie eine größere Rolle spielen würden, dann würde es das ganze Familienkonstrukt gefährden. Sie trifft die Entscheidung, besser nicht zu oft zu kommen. Es tut ihr gut mit mir zu sprechen, aber im selben Moment bringt es sie in Unruhe.

Da ist eine andere Mutter. Vor einigen Tagen hat sie berichtet, dass sie sich für ihr Kind einen anderen Lernweg wünscht. Sie ist der tiefen Überzeugung, dass die Grundschule vor Ort langfristig nicht zu ihrer Familie und ihrem Kind passen wird. In ihrer Familie werden andere Werte gelebt und man fühlt sich nicht recht zugehörig zum Ort und den grundlegenden Vorstellungen von Schule und Erziehung. Aber man wohnt dort eben. Die Auseinandersetzung mit der persönlichen Wahrheit zu Erziehungsgedanken und den gelebten Tatsachen im derzeitigen Kindergarten, bringt sie kräftig in Konflikt. Dies insbesondere, da sie jetzt schon weiß, dass diese Themen in der Grundschule noch verstärkt werden. Das Thema zehrt unglaublich an ihr.

Diese und andere Beispiele verdeutlichen mir, wie sehr doch die Auseinandersetzung mit diesen, meinen Themen des wundersamen Lernens, die Erwachsenen ganz tief mit dem konfrontiert, was wir Kindern (uns selbst) antun. Nicht nur, dass mit der Beschäftigung mit diesen Themen, Verunsicherung geschürt wird, was den Lernweg der Kinder betrifft, sondern Erwachsene werden ganz unmittelbar mit dem in Kontakt gebracht, was sie als Kind wegstecken mussten.

In Gesprächen mit Fachpersonen wird immer wieder klar, wie sehr sie der persönliche Wunsch, eine Veränderung für die Kinder zu schaffen, an die Grenzen der institutionellen Richtlinien bringt. Persönliche Konflikte entstehen, in den meisten Fällen auch direkt mit den Kollegen oder mit angstvollen Eltern. Ein Arbeiten im Sinne der Entwicklung der Kinder, bedeutet immer automatisch ein hohes Maß an Reibung.

Vergangene Woche habe ich auf meiner Facebookseite die Frage gestellt, warum es Gesellschaft so schwer fällt, die Verspieltheit und Lebendigkeit der Kinder zuzulassen? Warum nur meinen wir, diese wunderbare, schöpferische und kreative Lebensenergien so früh in kontrollierte und ergebnisorientierte Bahnen lenken zu müssen?

Ich wollte meine Aufmerksamkeit auf die Tatsache richten, dass in unserer Gesellschaft das Schöpferische und Kreative der Kinder zu Gunsten von Produktivität und wirtschaftlicher Effizienz geopfert wird.

Der Unterschied ist ganz einfach:

Ein schöpferischer Mensch macht viele Fehler. Er ist unter Umständen wirklich unlogisch unterwegs. Er macht Unsinn. Er weiß noch nicht, wie etwas ‚richtig‘ geht. Er forscht und untersucht. Er schlägt ‚falsche‘ Richtungen ein. Dabei sammelt er ausgesprochen viel Erfahrungswissen. Und das Besondere daran, er hat die Chance Dinge herauszufinden, die noch nie zuvor jemand getan, oder herausgefunden hat.

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Wir haben aber die unausgesprochen gesellschaftliche Übereinkunft, dass wir Produzenten und Konsumenten hervorbringen. Ein Mensch, dem mitgeteilt wird, wie man etwas macht, wird zum Produzenten. Ein ein Produzent hat wenig Gelegenheit selbstbestimmt seinen Interessen zu folgen und Umstände zu erforschen. Ihm wird keine Zeit gegeben, in offenen Fragen zu leben, sich gut mit noch nicht geklärten Fragestellungen zu fühlen. Er wird so ausgebildet, dass man ihm Wissen gibt, dass andere erarbeitet haben. Er lebt damit, dass er meint zu wissen. Fehler machen empfindet dieser Mensch als schlecht. Im Gegensatz zum schöpferischen Menschen, „weiß“ dieser schon, wie etwas geht. Es braucht relativ wenig Aufwand, diesen Menschen auszubilden. Man lässt ihn einer bereits erstellten Blaupause folgen. Man vermittelt Wissen, vermeidet das Erlangen von Weisheit durch gelebte Erfahrung. Das ist wirtschaftlich und das Tolle daran ist, dass diese Menschen im selben Moment Konsumenten sein können. Das passt in derzeitige wirtschaftliche Vorstellungen.

Leider passt es nicht zum Wesen der Kinder, wenn man ihnen die Kreativität und Schöpferkraft nimmt. Wir erfahren gerade, wie uns diese Grundhaltung bezüglich Bildung und Lernen, mächtig um die Ohren fliegt.

Ein schöpferischer und kreativer Mensch bezieht sein genährt sein, aus einer anderen Quelle.
Kinder können das. Sie haben keine Angst doof dazustehen. Wenn Erwachsene sich ein Stück zurück bewegen und wieder ihre kreative und schöpferische Seite ‚entwringen‘, dann machen sie sich verletzlich. Sie müssen in dieser Gesellschaft den Mut aufbringen wenig erfolgreich, unwissend, vielleicht ein wenig doof dazustehen. Prestige und Stolz auf gesellschaftliches Angesehen sein, werden stark herausgefordert. Wenn man sich heraus bewegt, ein Produzent zu sein, dann ist es recht wahrscheinlich, dass man nicht notwendigerweise ein hohes gesellschaftliches Ansehen erfährt.

Zurück zu den Kindern. Kinder wollen schöpferisch und kreativ sein. Es ist ihre Natur. Erwachsen aber, gefangen in ihrem Blindflug aus den Kindern weitere Produzenten und Konsumenten zu machen, möchten das Kreative und Schöpferische recht schnell aus den Kindern austreiben, zumindest kanalisieren.
Ein schöpferisches und kreatives Kind kann nicht effizient sein. Es trödelt morgens und wenn die Eltern es eilig haben, wie die meisten, dann muss das Kind gerade mal ausprobieren, wie viel Saft man in ein Glas giessen kann, bevor es überläuft. Auch muss man wissen, ob man mit Mutters teurer Hautcreme gut auf dem Spiegel im Flur malen kann.
Kinder können nicht anders. Sie möchten gerne weiterhin und möglichst ungestört in ihrer rechten Gehirnhälfte surfen. Sie möchten ständig in Bewegung sein. Sie benötigen ein gewisses Chaos und kreieren aber in diesem Chaos eigenständig ihre innere Ordnung. Leider ist das nicht die Ordnung der Produzenten und der Erwachsenen.
Originalität und Einzigartigkeit haben genau hier ihren Ursprung. Leider zum Leidwesen der Erwachsenen.

Das Schulsystem ist viel zu sehr darauf aus, das Surfen der Kinder in ihrem kreativen Geist zu verhindern. Es ist geradezu dazu gemacht, unkreative Ja-Sager hervorzubringen. Ausbildung und Erziehung haben das unausgesprochene Ziel, das Schöpferische und Kreativ-Chaotische im Kind zu zerstören. Da hilft auch ein wenig Basteln im Kindergarten nichts oder die Wochenstunde Kunst oder Musik, deren Ergebnis dann auch noch durch Noten bewertet wird.

Berechenbarkeit, Geld, Macht, Statuts und Ansehen sind die angebeteten Götter. Das Natürliche und Kreative im Menschen und der automatische, sich selbst nährende Rückfluss für die Seele, gehen dabei verloren.

Das kannst du am ehesten noch beobachten, wenn du Kleinkinder beim Spiel zuschaust. Sie sind dermaßen verbunden mit ihrem Schaffensprozess, sie sind happy und genährt. So genährt, dass selbst der Erwachsene, beim schieren Zuschauen noch ein wenig davon abbekommen kann.

Um wundersames Lernen besser zu verstehen und als Erwachsener den Weg ‚zurück‘ zu gehen, ist es in meinen Augen notwendig, dass sich die Erwachsenen selbst aus dieser Falle befreien. Erst dann werden sie ein Verständnis dafür haben, dass Kinder völlig andere Voraussetzungen für ihren natürlichen Lernprozess benötigen.

Warum natürliches Lernen der Kinder mit dem Verlernen der Erwachsenen Hand in Hand geht.
…und warum das auch ein wenig schmerzhaft sein kann.

Auf diesem Befreiungsweg gibt es damit auch gewisse, unangenehme Durststrecken. Diese entstehen, weil du für deine Umgebung nicht mehr so leicht einzuordnen bist. Du benötigst den Mut, dich von dem zu lösen, was gesellschaftlich angesehen ist. Das wird schwierig sein. Wenn man wieder kreativ und schöpferisch unterwegs sein will, wird man sich mit dem anlegen müssen, was tief in uns eingeimpft wurde – eben zu funktionieren.

Erst, wenn Erwachsene beginnen, diese unbequemen Schritte selbst zu gehen, werden sie ein Verständnis dafür aufbringen, dass Kinder im Grunde eine völlig andere Lernumgebung und Ausbildung benötigen, um sich auch nur einen Hauch dem zu nähern, was Kinder eigentlich sind.

Sie sind die wahren Fachleute in Sachen ‚Lernen‘ und ‚Verlernen‘.

Hier findest du mein Angebot zu meiner Beratung. Denn genau mit diesen Fragestellungen bin ich Erwachsenen hilfreich. Mein Ziel ist es, dass Kinder freier und selbstbestimmter Lernen können. Dazu baue ich auf alle Erwachsenen, die diesen Weg ( gerne mit mir) gehen


Wenn Detailverliebtheit der Erziehung im Weg steht

Wenn Detailverliebtheit der Erziehung im Weg steht

Unsere wissenschaftlichen Errungenschaften ermöglichen uns auch im Bereich Erziehung und Lernen einen Blick in Feinheiten. Ungezählte Fragen über die kindliche Entwicklung wollen beantwortet sein. Spezialbereiche zur kindlichen Entwicklung sind entstanden.

Die unterschiedlichsten Bereiche geben uns inzwischen Informationen, die uns helfen, die Entwicklung eines jungen Menschen besser zu verstehen.

Die Hirnforschung kann Hinweise geben und Erwachsene darauf aufmerksam machen, dass gewisse Ansätze und Erziehungspraktiken vielleicht besser überdacht werden sollten. In anderen Bereichen gibt es Langzeitstudien, die Kinder und deren Entwicklung über Jahrzehnte untersucht hat. Man weiß nun viel mehr darüber, wie die kindliche Entwicklung zu verstehen ist, was es zu beachten gibt. Es gibt Kurzzeitstudien, die Hintergründe über kindliches Verhalten aufdecken, beispielsweise in der Psychologie. Die Medizin erlaubt uns den mehrdimensionalen Blick in den Mutterleib. Geschichte und Archäologie geben ebenfalls Hinweise über bedeutendste Zusammenhänge. Da wäre noch die Anthropologie, die ebenfalls so viele Informationen beisteuert, die Erwachsenen helfen kann, damit Kinder gesund und kraftvoll aufwachsen. Zu guter letzt die Kenntnisse der Pädagogik. Man glaubt zu wissen.

Der Mensch baut so viel an Information auf, in dem er sich immer mehr in die Tiefe eingräbt, immer kleinere Teilchen entdeckt. Dann findet man ein Elementarteilchen, dass noch kleiner als klein ist. Vermutlich geht es immer so weiter.
Vermeintlich in die entgegensetzte Richtung, in den fernen Kosmos, findet man ebenfalls immer mehr heraus, was hinter dem letzen Stern am Himmel, da ganz in der Ferne, auch noch zu ist. Wir bewegen uns forschend in die weite Ferne und in die Tiefe der Materie. (vielleicht ist es die gleiche Richtung??)

Die Ergebnisse all dieser Bemühungen finden sich dann auch in Produkten wieder, die man eigens kreiert, damit Kinder sich besser entfalten können. Das glaubt man.

Von der Linkshänderschere, über den ergonomisch angepassten Schulranzen bis hin zu dicken Buntstiften für Kleinkinder, sowie das bunte Einschlaflicht. Bequem geformte und super saugstarke Windeln, das Fläschchen mit dem Kiefer angepassten Sauger, in der Größe S-L.
Schuhe, mit dem richtig geformten Fußbett und den Kinderstuhl, der mit wächst.

Wir finden Dinge heraus und kreieren immer mehr Details, um der Entwicklung eines Kindes immer mehr entgegen zu kommen. Ist das ein Weg, der Kinder wirklich unterstützt?

Heute, mit diesem Beitrag möchte ich die Frage stellen, ob dieses Detailwissen und deren Umsetzung in ‚Zeug‘ und Wissensakkumulation wohl immer der eigentlichen Entwicklung eines jungen Menschen beiträgt ? Ich frage mich, an welcher Stelle, all diese 1000 Details, die angeblichen Notwendigkeiten, die aufgebracht werden, wohl einen signifikanten Unterschied für die Entwicklung unserer Kinder macht? Ich frage mich, ab welchem Punkt die Feinheiten im Weg stehen und diese wundersame kindliche Entwicklung fesseln und behindern?

Wo hat das Leben Gelegenheit ungebremst, ohne Mikroskop und Rakete, seinen Ausdruck zu finden? Wo bleibt die Ehrfurcht vor dem Wunder des Lebens?

Ich frage mich, bei aller Anerkennung für die Ergebnisse der mannigfachen Forschung rund um das Kind, ob es dem eigentlichen Leben, dem kindlichen Leben dienlich ist?
Vielleicht ist uns bei all dem Interesse und all dem Forscherdrang um die kindliche Entwicklung einfach nur das Simple, das Einfache, das Naturnahe aus den Händen geflutscht?
Vielleicht benötigen wir hier und da ein paar deutliche und gesunde Schritte hin zurück zur Einfachheit der Dinge, zur Natur der Dinge.
Letztendlich glaube ich, dass wir den Kindern ein gutes Stück Vertrauen abziehen, wenn wir durch die technischen Möglichkeiten der Unterstützung von kindlicher Entwicklung der eigentlichen Intelligenz, die hinter allem steht, das Wasser abzugraben suchen.

  • Dann passiert es, dass man als Eltern kompliziert wird, indem man 3 Tage damit verbringt, den Kinderwagen zu kaufen, der die ergonomisch angepasste, mitwachsende Rückenschale hat.
  • Man macht sich viel zu sehr einen Kopf, ob dieser oder jener Schnuller, den Kiefer ungünstig beeinflussen könnte.
  • Man glaubt, dass man dem Kind ein Schaden zufügt, wenn man heute keine Lust hat, eine Gutenachtgeschichte zu erzählen.
  • Man glaubt, dass die Zukunft des Kinder verloren ist, wenn es mit 8 Jahren noch nicht gut genug lesen kann.
  • Man kann Stunden damit verbringen, die richtige Nahrung für das Kind zu kaufen oder zuzubereiten, weil man alles so richtig machen will.

Die entdeckten, angeblich notwendigen Details aus Wissenschaft und Forschung können uns eben auch fehlleiten, sie können uns verunsichern und die Scheinwirklichkeit aufbauen, dass man als Eltern versagen würde, wenn man sich nicht daran hält, wenn man etwas tollkühn anders macht.

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Dann stellt sich unmittelbar die nächste Frage:

Wo findet man die Unterstützung und Kraft, wenn man seine Sicherheit als Eltern und die Zukunft der Kinder nicht mehr in so großem Maß von den äußeren, angeblichen Erfordernissen abhängig machen möchte ? Wo findet man wieder ein Quentchen mehr Vertrauen in die natürlichen Ablaufe und simplen, naheliegenden Dinge?
Wer setzt das Maß für die wirklichen Notwendigkeiten und wo macht man einfach nicht mehr mit?

Ich weiß nicht genau, was es für dich sein könnte?

Für mich ist es das Draußen sein und die Beobachtung der Natur. Dabei kann ich immer ganz gut wahrnehmen, was es alles nicht braucht, um Kinder aufzuziehen. Draußen kann ich auch beobachten, was es braucht, vor allem,  wie wenig das alles mit dem zu tun hat, was ein Menschenskind angeblich benötigt, um gut aufzuwachsen.

Natur und Stille verbinden mich in gewisser Weise direkt mit dem, mit dem auch die Kinder verbunden sind.

Für mich beutetet es, je weniger Gedöns, desto besser bin ich verbunden, mit dem was mich und die Kinder stärkt.
Denn das, was alles über mich herfallen will und mir seine angebliche Bedeutung im großem und ganzen Bild der Kindererziehung aufdrücken will, wird plötzlich klein und weniger bedrängend, vor allem aufdringlich.

Ich bitte dich, dein Vertrauen in das Leben der Kinder freizuschaufeln von allen angeblichen Notwendigkeiten. Denn das, was die Kinder wachsen läßt, liegt letztendlich ‚Jenseits aller Erziehungsvorstellungen‘.  Das was die Kinder gut gedeihen läßt, ist in vielen Fällen nicht das, was Wissen anhäuft, sondern die Weisheit der Erwachsenen, die sich durch gelebte Erfahrung entwickelt. Das meiste spielt sich nun mal zwischen den Zeilen ab.

Oder, wie es Antoine de Saint-Exupéry so treffend sagt:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“


(Mögliche) Stufen der menschlichen Entwicklung. Lernen das gedeihlich ist.

(Mögliche) Stufen der menschlichen Entwicklung. Lernen das gedeihlich ist.

Es gibt Dinge, die sind unbekannt
und es gibt Dinge, die sind bekannt,
dazwischen gibt es Türen. William Blake

Lange bevor ich selbst Kinder hatte ( vor knapp 30 Jahren), habe ich mich sehr intensiv mit dem Thema Bewegung und Lernen beschäftigt. Vor wie nach ist es ein Riesenfeld für mich und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht bemerke, was ich alles nicht weiß in diesem Zusammenhang.

Meine eigenen Kinder und die Beschäftigung mit dem ganz normalen profanen Alltag, haben mich wie ein Strudel immer tiefer hineingezogen in die Themen um Persönlichkeitsentwicklung und Lernen.
Ganz zu Anfang, als meine älteste Tochter Baby und Kleinkind war, habe ich das Bewegungslernen studiert, indem ich viel Zeit damit verbracht habe, sie einfach nur zu beobachten. Durch meine Feldenkrais-Ausbildung, die ich schon mit Anfang 20 abgeschlossen hatte, hatte ich ja selbst eine Grundlage geschaffen, die es mir ermöglicht hat, das eigene Bewegungslernen nochmals selbst zu durchlaufen, vor allem zu erspüren.
Aufbauend auf diesem Empfindungswissen, habe ich die eigenen Kinder beobachtet und konnte dadurch Bewegung, Spüren, Lernen und Verhalten tiefer ergründen und begreifen.

Ich hatte mir die Grundlage geschaffen, dass im Aufbau all dieser feinen und kleinen Bewegungen der Babies der Schatz verborgen liegt, der für ihre weitere Entwicklung von größter Bedeutung ist.
So ist im Grunde nicht die Tatsache das Wunder, dass ein Baby irgendwann auf den eigenen Füssen steht und läuft. Vielmehr besteht für mich das Grandiose darin, wie alle kleinen Schrittchen, von der ersten Saugbewegung an, bis hin zur Koordination des Gleichgewichts, Information über das eigene ‚ICH‘ in den Zellen und Muskeln ‚bindet‘, quasi eine ‚Ich-Struktur‘ in jedes kleine Wesen eingraviert. Diese ist so einzigartig, wie ein jeder Fingerabdruck. Diese Abläufe sind universal. Egal ob dieses Kind in der hintersten Mongolei lebt oder im Zentrum von Frankfurt. Wo und wie ist dieses Wissen orchestriert?

Ich habe alle meine 6 Kinder beim ‚Erarbeiten‘ der Treppenstufen im eigenen Haus beobachtet. Ich wollte wissen, wie sie ‚Treppe‘ lernen, wenn man es ihnen nicht beizubringen sucht, sondern sie sich die Treppe selbst forschend erarbeiten. D.h. mir war es von Anfang an wichtig, so wenig wie möglich in ihrer Bewegungsentwicklung als Störfaktor zu agieren.

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Ich dachte, wenn das alles so wunderbar gemacht ist, dann muss es Haltungen von mir geben, die förderlich sein könnten, aber auch welche, die extrem störend für diese wundersamen Abläufe sein müssten? Ich musste mir dazu ein Bild machen. Ich musste herausfinden, was denn förderlich aus sich selbst heraus sein könnte und was den natürlichen Abläufen sehr entgegen wirken würde.
Damals hatte ich noch nichts von Emmi Pikler gehört. Als mir ihre Arbeit am anderen Ende der Welt durch eine ‚zufällige‘ Begegnung mit Magda Gerber entgegen kam, dauerte es noch Jahre, bis ich die Themen im Zusammenleben mit meinen eigenen Kindern übereinander brachte. Es war, als ob das Universum mich immer mit den passenden Menschen oder Ideen zusammenbrachte. Manchmal dauerte es aber Jahre, bis ich die Botschaften, bezogen auf Persönlichkeitsentwicklung und Lernen, selbst entdeckte, eigene, tiefgründige Erfahrungen damit machte.

Dieser wundersame Lernprozess, den ein Kind durchläuft stoppt nicht einfach beim Jugendlichen oder Erwachsenen, nein, er dreht sich einfach weiter um die eigene Körperachse. Wie, als wenn man auf einer Spirale entlang läuft, wird man auf unerklärliche Art, immer wieder vorbei geleitet an den eigenen Kern- und Entwicklungsthemen. Beim Kleinkind ist es das Erlernen von Bewegung, Sprechen und Gehen, da schon ganz individuell choreographiert. Beim Erwachsenen sind es die Themen, die jeden zu einem einzigartigen Wesen machen. Was sind die Themen, an denen du immer wieder vorbeigeleitet wirst? Wo entlang bewegt sich deine Entwicklungsspirale?

Als die Kinder älter wurden, blieb die Erfahrung hängen, die ich machte, als ich jedes Kind auf seinem Treppenweg auf unserer Wendeltreppe (Spirale) im Haus beobachtete. Doch ich bewegte mich tiefer in die Themen.
Ich begann damit, die Bewegungsentwicklung der Kinder nunmehr nicht nur unter einem entwicklungsphysiologischen Aspekt zu betrachten, sondern begann mehr und mehr die Treppe, die Bewegungsentwicklung unter einem psychologischen Aspekt zu beobachten. Ich untersuchte (vor allem in meinem Leben) die Bewegung und die Psychologie, die Emotionen und deren Bedeutung für einen gesunden Lernprozesse.
Auf diesem meinem Treppenweg (Spirale) wurde ich an den unterschiedlichsten psychologischen Schulen/ Richtungen vorbeigeleitet, immer mit einem Augenmerk auf den Ideen, wie Kinder lernen und was es (von mir) braucht, damit ihr Weg gedeihlich ist.

Weiterhin habe ich Treppen und Treppenstufen studiert und habe damit begonnen diese Ideen von Bewegungsentwicklung und Lernen nunmehr in spirituellen Zusammenhängen zu untersuchen. Ich wollte diese Themen in einer Dissertation bearbeiten und war dazu einige Jahre in der Wisdom Universität (USA) eingeschrieben. Ich habe viele Kurse besucht, die mich bis ans andere Ende der Welt geführt haben. Immer auf der Grundlage: Bewegung, Persönlichkeitsentwicklung und Lernen zu erforschen, um gangbarere Wege für Kinder zu entwicklen, damit diese sich mehr an dem entlang entfalten könnten, was für sie natürlich und gedeihlich wäre.

Kleine Treppe im historischen Museum, endet unter einer Betondecke

Auf meiner eigenen Lernspirale unterwegs, begann ich nun jedwede Treppen, die mir vor allem auf Reisen begegneten als eine Art Orakel für meinen persönlichen Lernweg zu betrachten. Ich schaute mir Treppen an und wollte wissen, welche Informationen diese Treppe an dieser Stelle meines Lebens für mich haben könnte? Beispielsweise präsentierte mir das Leben diese Treppe in Florenz, nachdem meine langjährige Ehe nur wenige Tage zuvor ein plötzliches Ende fand.

Eines meiner Studienseminare führe mich nach Chartres in der Nähe von Paris. Gleich hinter der Kathedrale von Chartres, der Ort an dem in einer Kathedrale eine Labyrinth eingebaut ist (Spiral-Lern-Weg) kam dann folgende Information zu mir.
In einer Cafepause erwähnte ich einer Frau gegenüber, dass ich Schwierigkeiten hätte, das Thema dieses Seminars zu verstehen. Ich sei verunsichert, ob ich hier richtig sei? Sie nun bemerkte folgenden Satz, der für mich ein Hinweis sein sollte, wie sich mein Lernweg weiterhin entfalten sollte. Sie sagte auf Englisch: „Das ist nicht schlimm. Hier geht es nicht um Verstehen und Verstand. Wir sind nur eine Mysterien-Schule.“ Ich war da goldrichtig im Kurs, aber mein Verstand schlug Haken, wie ein Hase, der aus Furcht rennt.
Wieder dauerte es einige Zeit, bis sich mir dieser Kernsatz erschloss.
Das Verstandeslernen ist bedeutsam, aber nicht alles. Zwischen dem Verstand und anderen Zugängen zu Wissen, denen Kinder noch viel näher sind als Erwachsene, gibt es Türen. (In dem Zusammenhang noch einmal das Zitat von Blake: Es gibt Dinge, die sind unbekannt und es gibt Dinge, die sind bekannt, dazwischen gibt es Türen.)

Wenn wir als Kinder über Jahre damit beschäftigt sind, Wissen in uns aufzubauen und zu lernen, dann ist das bedeutsam, aber nicht der einzige Weg der Erkenntnis. Dieses einzigartige Lerngerüst zu erstellen, was ich oben bereits erwähnt habe, ist wichtig, aber nicht der einzig ‚richtige Lernweg‘.
Damit wir uns gesund weiterentwickeln können, geht es beim Erwachsenen irgendwann darum, diesen Weg des Lernens in einen ‚Weg des Verlernens‘ zu verwandeln. (uns den ursprünglichen Ansätzen der Kinder zu nähern)
Wie auf dem Bild einer sich drehenden Doppelspirale/Treppe (Doppelhelix/ DNA) gibt es einen Weg, der gleichzeitig nach oben und nach untern führt.
Während ich als Erwachsene auf einem lebenslangen Lernweg mich auf der Spirale entlang bewege, um Wissen aufzubauen, kehrt sich irgendwann der vermeintliche Weg um. Ich beginne damit alles je aufgebaute und angesammelte Wissen wieder zu verlernen.

Und damit beziehe ich mich auf das eingangs erwähnte Zitat von William Blake:

„Es gibt Dinge, die sind unbekannt
und es gibt Dinge, die sind bekannt,
dazwischen gibt es Türen.“

Die Lernwege der Kinder sind wundersam, genau wie die der Erwachsenen. Damit Erwachsene wie Kinder ihr volles Potential entfalten können, ist es in meinen Augen wichtig, sich auf den Treppenspiralwegen wahrlich zu begegnen und mit und voneinander zu lernen. Auf der Spirale gibt es vermeintlich treppauf und treppab. Da ist der Ort, wo wir uns mit den Kindern treffen sollten.

Die Haltung, dass Erwachsene einzig zu wissen glauben, wo es lang geht, erscheint mir eine Sackgasse zu sein. Ist die Haltung der Erwachsenen nicht mit Demut und dem Willen gepaart auch treppab zu steigen oder gewisse Zeit einfach nur still zu sitzen, dann fahren Erwachsene die Welt vor die Wand. Das ewige Tun findet nicht zum Sein.
Kinder sind Meister im Aufsteigen, Absteigen oder im Sitzen auf eben einer ganz bestimmten Stufe ihres Treppenweges. Sieh dir dazu den kleinen Videoausschnitt unten an, der ein Gedicht von A.A. Milne vertont. Es geht um eben gerade diese Treppenstufe, auf der man sich jetzt befindet.

Dort, auf einer ganz bestimmten Stufe sind Kinder richtig, bis Erwachsene des Weges kommen und Kinder fälschlicherweise fehlleiten, ihnen vorgaukeln, dass nur ein Ziel- und Ergebnisorientierter Aufstieg sei wahrhaftes Lernen. Für mich führt dieser Weg ganz klar in eine Sackgasse. Eine Sackgasse der möglichen Entwicklung der Kinder. Eine Sackgasse für die Lösung der Probleme dieser Zeit.

Was meinst du ?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Natürliches lernen. Was ist es? Wo geht es schon verloren?

Natürliches lernen. Was ist es? Wo geht es schon verloren?

Natürliches Lernen steht in unmittelbarem Bezug zu den persönlichen Erfahrungen und damit dem individuellen Erleben.
Es hangelt sich bestenfalls an den eigenen Bedürfnissen entlang und ist damit selbstgesteuert und aus dem Innersten eines Menschen initiiert.

Heute möchte ich im übertragenen Sinne eine Lupe zur Hand nehmen und etwas genauer untersuchen, was in meinen Augen natürliches Lernen ausmacht. Ich möchte dich mit diesem Text an die Tatsache heranführen, dass natürliches Lernen bei den meisten Menschen, durch den Prozess der Erziehung, verschüttet wurde und weiterhin verschüttet wird. Dazu ein Beispiel.

Du kennst ja sicher den Konflikt zwischen Menschen, die der Meinung sind, dass man kleinen Kindern in der Sauberkeitserziehung nahelegen müsste, dass sie sich auf das Töpfchen setzen und ‚akitv‘ dafür sorgen, dass sie Pipi machen oder den Darm entleeren. Man möchte den Kinder etwas beibringen und sagt etwas wie: „Nun drück mal!“ Ich habe auch schon Erwachsene gesehen, die auf vor dem Kind auf eigenwillige Weise das Gesicht verziehen und damit aufzeigen wollen, dass ein ‚machen‘ erforderlich ist. Man kreiert im Kind den widernatürlichen Weg, dass Pipi machen ein aktiver Prozess sei. Der natürliche Lernprozess des Menschen, der simple körperliche Vorgang des ‚Wasser lassens’ wird verstellt.

Dann gibt es andere, die der Meinung sind, dass die Sauberkeitserziehung etwas ist, was sich im Kind von alleine einstellt, je weniger man diesen Prozess durch Hinterfragen oder erpresserische Anregungen forciert. Demnach ist die Sauberkeit ein Bedürfnis und hat etwas mit Körperbewusstsein, mit Reife und der Fähigkeit im richtigen Moment loszulassen zu tun. Ja, Pipi machen ist ein Prozess des Loslassens.

Das erste Beispiel oben möchte eine Anregung dazu geben, wie tief Erwachsene, oftmals durch Unwissenheit, in die natürlichsten, menschlichen Lernprozesse eingreifen und diese, manchmal sogar bis zur Unkenntlichkeit verbiegen.

Einem natürlichen Vorgang wird etwas Künstliches aufgepfropft. Simple, von innen geleitete Vorgänge werden für das Kind verdreht.
Intelligent und geschmeidig im Lernprozess, wie junge Menschen nun mal sind, gehen sie mit diesen Vorgaben mit. Sie glauben, dass das, was man ihnen bezüglich der Alltagsdinge im Lernprozess eines jungen Menschen, sagt, ‚richtig‘ ist. Sie übernehmen das, was man ihnen vorlebt und sagt, aber der Preis ist hoch.

Das Ergebnis ist, dass junge Menschen ihr Körperwissen und ihre Körperweisheit zu Gunsten der erlernen Vorgaben der Erwachsenen verkaufen. Sie opfern, wenn auch unbewusst, ihre körperliche Superintelligenz, die eigentlich das Hauptnavigationssystem für ihren weiteren Lernweg im Leben ist.

Sie geben ihr Orientiertungs’gerät’ auf und werden damit zukünftig abhängig von den Vorgaben und Vorlagen der Erwachsenen, die damit einen künstlichen und pervertierten Lernprozess im Kind fortschreiben.

Anders kann man die Tatsache nicht erklärten, dass Kinder, die aus etwas unfreieren Lernumgebungen kommen und plötzlich, etwa in einer freien Schule sind, oftmals lange Zeit brauchen um wieder ihren eigenen, inneren roten Faden aufzuspüren.

Das zeigt sich dann darin, dass es passieren kann, dass sie für Wochen, Monate oder Jahre nichts tun. Sie durchleben sehr verunsichernde Zeiten, des nicht wirklich wissen, was sie mit sich anfangen sollen. Das ist dann der Moment, wenn die unwissende und ebenfalls verunsicherte Umgebung in Form von Erwachsenen auf sie zukommt und sie anregen und inspirieren will. Die Zeit des vermeintlichen Nichts-Tuns ist genau die Zeit, in der Eltern oft Angst bekommen und ihre Entscheidung für einen freien Lernweg in Frage stellen.

Eine erfahrene Lernumgebung weiß um diesen Umstand und gestattet den Kindern wahrhaft abzutauchen in diesen verwirrenden und abgedunkelten Prozess. Hier geht es darum, sich wieder auf den selbstbestimmten und vor allem auch selbstgesteuerten Lebenslernweg einzulassen. Es ist, als ob der Mensch in einer geeigneten und vor allem auch wohlwollenden Umgebung regelrecht zurückfinden muss zu den zarten Regungen in ihm. Es geht darum wieder herauszufinden, was die eigenen Bedürfnisse sind und was die erforderlichen Handlungen sind, um sich selbst zu regulieren und eigen-initiativ zu sein. Das Kind findet dabei heraus, was es tun muss, damit es dem eigenen Weg wieder den Atem einhauchen kann.

So gibt es in diesem Zusammenhang unzählige Beispiele, denen allen gemein ist, dass wir, im Zuge des Erziehungsprozesse g e l e r n t haben unser Nervensystem auf unangemessene Weise zu gebrauchen und dies unreflektiert an die Kinder weitergeben, weil wir es noch nicht gewohnt sind in der Tiefe in Lernprozesse zu schauen. Wir sind es gewohnt für Kinder lernen viel zu früh zu verkopfen, weil wir es selbst nichts anderes gelernt haben, geben wir es unbedacht an die Kleinsten weiter.

Wir halten das Verdrehte im Lernprozess der Kinder für normal und das Natürliche im Lernprozess der Kinder kommt uns befremdlich vor.

So haben Erwachsene wie Kinder also mit einem künstlich aufgepfropften Stress zu tun. Die Überanspannung unseres Nervensystems nehmen wir kaum mehr selbst wahr und geben es ungefiltert direkt an die Kinder weiter.

  • Kinder werden nicht gelassen im Hören, sondern sie bekommen mehrfach am Tag gesagt, dass sie mal genau hinhören sollen. Somit bringen sie Anstrengung in ein natürliches ‚hören‘.
    (Spür mal hin, was du mit deinem Nervensystem tust, wenn ich dich bitte, mal genau hinzuhören.)
    Die Töne kommen dann nicht weiterhin einfach zu dir, sondern du strengst dich an, um zu hören.
    Das ist fehlgeleitetes Lernen.
  • Man gestattet den Kleinkindern nicht, den ihrem Alter angemessenen, natürlichen, weichen Blick. Stattdessen sagt man ihnen, durch verfrühtes Verschulen, wo, wie und wohin sie mit Anstrengung ihren Blick (ihre Aufmerksamkeit) richten mögen. Das vielleicht sogar gegen ihr inneres gerichtet sein auf etwas, was sie in diesem Moment viel eher interessieren würde. Das ist fehlgeleitetes Lernen.
  • Das Kind mag das Essen nicht essen. Es riecht nicht gut. Sofort verschließt sich der Magen. Es ist eine Nahrung, die es im Moment nicht essen mag/ kann. Man überredet es, wider seinem Körperwissen. Das ist fehlgeleitetes natürliches Lernen.
  • Das Baby ist satt. Mit seiner Zunge signalisiert es, dass es nicht mehr essen mag. Man möchte aber die 3 Löffelchen Nahrung noch geben, dann ist das Schälchen leer. Das ist fehlgeleitetes natürliches Lernen.
  • Das Kind interessier sich gerade nicht für Buchstaben. Sein System vielleicht gerade darauf aus sich zu bewegen und Nachlauf zu spielen. Man bewegt die Kinder aber in Richtung Buchstaben, man hat allerhand gute Überredungskünste dafür. Es erscheint alles so schlüssig. Es ist nun mal wichtig jetzt Buchstaben zu erlernen. Jetzt, weil jetzt eben Deutschstunde ist. Das ist fehlgeleitetes natürliches Lernen.
  • Jugendliche interessieren sich gerade nicht für dieses oder jenes Thema. Für sie ist vielleicht gerade eine Zeit, in der die sozialen Aspekte des Umgangs miteinander eine bedeutendere Rolle spielt. Es ist die Zeit, in der man vielleicht miteinander auf der Couch abhängt und über alles mögliche philosophiert. Nur um Minuten später mit einer großen Energie andere Dinge zu tun. Wir aber zwingen die jungen Menschen in Umstände, die sie gar nicht interessieren. Das ist fehlgeleitetes natürliches Lernen.

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Natürliches Lernen bedeutet in der Tiefe eben auch, Lernprozesse für junge Menschen zu ermöglichen, die sie nah an ihrem Körperwissen und ihren jeweiligen unmittelbaren, natürlichen Bedürfnissen entlang hangeln läßt.
Das würde für mich bedeutet, dass junge Menschen die Chance erhalten, sich natürlich an dem entlang zu entwickeln, was ich einfach mal die natürlichen Vorgänge im Körper nennen möchte. Sie würden nicht von klein auf erlernen, unnötigen Stress und eine Überanspannung des Nervensystems auf ihrem intelligenten Körper aufzulagern, nur, um von außen vorgebenen, oftmals sogar irrigen Vorstellungen zu genügen.

Wir würden damit aufhören Kinder, durch unsere verkopften und künstlichen Vorstellungen von einem natürlichen Lernprozess zu entfernen. Stattdessen würden wir Ihnen durch Einsicht und Selbsterkenntnis ermöglichen, Herr oder Herrin ihres einzigartigen Körperwissens zu bleiben. Wir würden damit aufhören, die feinfühligeren und sensiblen Lebens- und Lernäußerungen von Kindern mit künstlich eingeimpftem Stress zu verdrehen.

Das sind einige Beispiele, die dir aufzeigen sollen, dass das Ermöglichen eines natürlichen Lernprozesses weitaus früher anfängt, als wir meinen und das die Grundlagen dazu, die schon in der Babyphase gelegt werden, die eigentlichen Voraussetzungen sind, um einen freudvollen, aus eigenem Antrieb geleiteten Lernweg zu haben.

Wenn Eltern sagen, dass das Kind sich nicht mit sich selbst beschäftigen kann, oder das Kind nicht lernen würde, wenn man als Erwachser nicht dahinter her wäre, dann wurde das ‚Kind mit dem Bade‘ bereits ausgegossen.
Damit ist nicht alles verloren, aber der Weg zurück in einen frei und selbstbestimmten Lernweg will dann mit einigem Aufwand zurück erobert werden. Dazu braucht es Erwachsene, die für diese Wege ein Verständnis haben, oder selbst diesen Weg gehen oder gegangen sind.

Dir und deinem Kind bin ich dabei gerne eine Unterstützung. Ich helfe Eltern und Fachpersonen auf ihrem Weg, Kindern einen freien und selbstbestimmten Lernweg zu ermöglichen. Meine Kontaktdaten findest du hier.

 

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