Kennst du es auch, dass es ganz bestimmte Menschen gibt, deren Begegnung deinem Leben  schicksalhafte Bedeutung gibt? Auch im Leben meiner Kinder kann ich diese eigenwilligen Freundschaften beobachten und schätzen lernen.

Kürzlich habe ich die Frau besucht, die ich als meine erste Lehrerin bezeichne. Linda Tellington Jones (81 Jahre) ist die Frau, die mein Leben sehr stark geprägt hat. Ich fühle mich ihr sehr verbunden. Es fühlt sich irgendwie an, als ob diese Verbindung zeitlos wäre. 

Ich kenne Sie nun fast 40 Jahre, in unregelmäßigen Abständen, aber zumeist im richtigen Moment, ‚flattert’ sie immer wohlwollend und oft auch aufrüttelnd und konfrontierend durch mein Leben. 

Wenn ich zurückdenke, dann basiert so vieles von dem, was ich heute zu bewegen suche, aus meinen ersten Begegnungen mit ihr. Sie haben meinen Blick auf die Dinge und mein Weltbild gedehnt und geweitet. 

Allem voran der Gedanke, dass Lernen weit mehr ist, als man mir immer weiß machen wollte. Daneben die tiefe Erkenntnis, dass Lernen, Angst und Druck wenig kompatibel sind. Ich wünsche jedem jungen Menschen eine Person an der Seite, die ihn/sie nicht an Defiziten mißt und bewertet, sondern sich an diesen Satz hält: „See the Perfektion!“ (Linda) „Nimm im anderen die Perfektion wahr“.

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In einer Welt, die es so unglaublich eilig hat und Kindern kaum Zeit gibt, ein guter Freund mit dem eigenen Körper zu werden ist, ist die Achtsamkeit im Körper und die Aufmerksamkeit für den Körper unschätzbar wichtig. Es bedeutet für mich, dass wir uns ein Stück ‚zurück‘ bewegen müssen dahin, dass wir Kindern die eigenen körperlichen Erfahrungen zugestehen, ihnen ihre innere Welt zu erhalten suchen, bevor wir sie viel zu schnell und vollkommen unbedacht, in den Verstand zu heben suchen. Bis dahin sollten sie zumindest die Chance haben, einem inneren Lernprozess zu folgen, den (ihre) Zellintelligenz ihnen vorgibt. Wird diese Chance durch den Ehrgeiz und die falschen Vorstellungen der Erwachsenen verbogen, so rächt sich das in meinen Augen auf lange Sicht.

Was daraus entsteht, sind Kinder, die nicht in ihrem Gleichgewicht sein können, ihr eigenes ‚Haus‘ nicht in der Qualität bewohnen könnten, wie es eigentlich notwendig wäre, damit sie viel später dann, den Verstand optimal nutzen können. 

Was daraus auch entsteht, sind Erwachsene, die bei ihren pausenlosen Versuchen, die Kinder zu belehren, zu unterrichten, zu kontrollieren und zu fördern ( die Kinder in den Verstand zu heben suchen), Überanstrengung erfahren. Unnötiger Stress wird in Familien und Institutionen injiziert. 

So viel Leid und Stress in Erziehung und Lernen baut schlicht und ergreifend auf völlig falschen Grundannahmen auf. 

Wir erziehen die Kinder in einer Kultur, die von Angst geprägt ist. Sie breitet sich in alle Lebensbereiche aus. Ein großes Maß an Wut ist oft schon in den Kleinsten wahrzunehmen. Grundlegende Bedürfnisse werden nicht wahrgenommen. So viel Mißtrauen kann ich manchmal in den Augen eines, im Kinderwagen vorbeifahrenden Kindes, erkennen. Feindbilder werden an allen Ecken und Enden geschürt und da ist es dann auch selbstverständlich, dass man sich gegen alles und jeden verteidigen muss. Hierarchische Strukturen und Kontrollmechanismen werden damit angeblich erforderlich, eine unnatürliche Autorität wird mit dem Schrei nach Disziplin und Gehorsam heraufbeschworen. Kinder können nicht mehr ihre natürlichen Seinsqualitäten leben, sondern reagieren emotional und fordernd. Sie werden auf die falsche Fährte des Haben wollen gesetzt.

So vieles könnte anders sein mit der Erkenntnis, dass der Mensch (ein Teil der) Natur ist. Wenn unsere kulturellen Vorstellungen zu Erziehung und Lernen nicht auf Angst, sondern auf Vertrauen aufbauen würden, dann müssten nicht schon die Jüngsten lernen, dass man sich gegen andere verteidigen muss und immer besser, schneller, klüger, schöner oder berühmter sein muss. Man würde dann vielleicht feststellen, dass man nicht so viel ‚Zeugs‘ braucht, man müsste nicht so viel an sich raffen und haben.

Kooperation und ein herzgetriebenes Miteinander würde eine viel größere Rolle spielen, nicht Wettbewerb und falscher Ehrgeiz. Sichtbar und spürbar gemachte Liebe würde bedeutsam sein und vor allem könnten Kinder Respekt erfahren und damit auch später weitergeben. 

Im Grunde sind die notwendigen Voraussetzungen für ein gesundes Wachsen von Kindern in unserem gegenwärtigen Bild von Erziehung und Lernen sehr unpopulär. Würden diese Voraussetzungen nach einer gesunden, natürlichen Entfaltung, ohne Druck und Stress, mit Respekt und Wohlwollen dem Kind gegenüber, doch unmittelbar Reibung mit wirtschaftlichen Interessen hervorrufen. 

Wir müssten  Bildung und Arbeit grundsätzlich hinterfragen, Betreuungseinrichtungen komplett überdenken, die Idee zur Kleinfamilie hinterfragen, Frauen, Mütter…

…1000 Themen würden auftauchen, die gesellschaftlich eine Haltung erforderlich machen würden, die gesunde Entfaltung ermöglichen könnte. Das alles politisch und gesamtgesellschaftlich zu regeln, dauert viel zu lange. Ich weiß nicht genau, ob Menschheit diese Zeit hat?

Da ich das in diesen Umbruch in diesem Umfang nicht kommen sehe, baue ich auf die einzelnen Eltern und Fachleute im pädagogischen Bereich. Ich wünsche mir, dass Einzelne ihre Haltung zu Erziehung und Lernen in der Form weiterentwickeln können, die auf Vertrauen und nicht auf Angst baut. Diese Einzelnen werden auf Sicht gesehen, mit all ihrem Einsatz für Kinder, eine Veränderung schaffen, die sich aus unzähligen, kleinen ‚Keimzellen‘ entwickeln wird. Ich kenne so viele tolle Leute, die sich in ihrer individuellen Weise aufmachen und aufgemacht haben.

Aus Lindas Arbeit weiß ich, dass jede ‚Körperzelle‘ in gewisser Form die Information von allem trägt. Was fehlt, sind nährende und geeignete Felder, die es Kindern gestatten sich mit Wohlwollen zu entfalten. Dafür möchte ich weiterhin ein Umfeld schaffen, das Kinder sich in der Art entfalten können, die eigentlich in ihnen angelegt ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass viele Erwachsen ein Wissen davon haben. Es braucht Ermutigung und Miteinander.

Doch dazu vielleicht ein anderes mal mehr. 

Ich danke dir, dass du bis hierhin gelesen hast und freue mich, wenn du meine Arbeit teilst. 

Vielleicht bist du bei meinem nächsten WundersamesLernen-Camp im Oktober dabei. Wir werden uns als Eltern und/oder Pädagogen weiter in diesen Themen bewegen, wie es geht, dass man im Leben mit Kindern mehr und mehr die Angst durch Vertrauen ersetzt. Du erfährst, wie man seine Haltung und Wahrheit zu Erziehungsfragen stärkt und den Alltag mit Kindern mehr aus den Körperzellen navigiert.

 

Hier findest du weitere Informationen zur Tellington-Methode in ihren unzähligen Anwendungen für Mensch und Tier. Hier ein wundervolle Biographie, die dich darin unterstützen will, auf deine Intuition zu vertrauen. Alleine schon die Bilder sind wundervoll.

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