E M O T I O N E N 1Wenn dein Fass mal wieder überläuft

Da war es wieder, dieses klitzekleine Tröpfchen, was soeben dein Fass zum Überlaufen gebracht hat. Eben ist es wieder passiert. Du hast dein Kind aus dem Nichts heraus angeschrien. Eben war es genug! Eben war Feierabend!

Du fühlst dich vielleicht schlecht, weil du die Tragweite deines Verhaltens auf die goldene Waage legst und das letze Körnchen Wohlwollen mit dir selbst, im Mühlstein der täglichen Ärgernisse zermalmst.

Fast jeden Tag kommst du am selben Punkt an. Es ist so, als ob das Murmeltier dich jeden Tag wach küsst, weil du den Ausstieg aus dieser Endlosschleife nicht zu schaffen scheinst. Vielleicht bist du auch so ungehalten und unzufrieden mit dir selbst, weil es dir nicht zu gelingen scheint, doch endlich mal diese dauerhaft, liebevolle und allzeit ausgeglichene Mutter zu sein. Du glaubst, fast alle anderen Eltern hätten das im Griff.

In deiner Ausweglosigkeit scheint es einfacher zu sein, dass dein Kind und all die schwierigen Umstände, für die Situation verantwortlich sind. Alles ist leichter, als sich nur endlich mit deiner „inneren Technologie“ (Gregg Braden) auseinanderzusetzen.
Im Grunde ist deine Endlosschleife gar nicht verwunderlich, weil du und ich zu einer Generation gehören, in der auf das Erkunden der eigenen Bedürfnisse, wenig Wert gelegt wurde. Somit ist da tief in dir drin unter Umständen eine tiefe Unzufriedenheit und Rastlosigkeit, denn die oder der kleine XY in dir wurde ebenfalls als Kind nicht als Person mit eigenen Bedürfnissen gesehen. Das Zusammenleben mit deinem Kind fordert dieses kleine Wesen in dir, jetzt aber richtig fett heraus.

Wenn hier also zwei oder noch mehr Wesen aufeinander treffen, deren Bedürfnisse, aus was für Gründen auch immer, im Moment nicht gesehen oder gewürdigt werden können, dann kann sich so einiges an ungeklärtem  ‚Emotionsmüll‘  im Alltag aufstapeln. Du erkennst es daran , dass die Luft im Haus dicker wird, oder du mal vor die Tür musst, um diese Tüte Milch zu kaufen, nur, um mal weg zu kommen.
Da liegt er nun dieser ganze Stapel an emotionalen Ungeklärtheiten und wartet darauf mit Besen und Schippe bearbeitet zu werden.
Als Erwachsene habe ich im Haus und im Leben mit den Kindern die Verantwortung diese aufgestapelten Befindlichkeiten immer mal wieder zu klären. Wenn ich das nicht tue, dann verschwindet die Leichtigkeit, die Freude und das angenehme Miteinander immer mehr unter diesem Stapel an Unwohlsein.

Bei mir selbst habe ich lange Zeit die Tendenz beobachtet, diesen Stapel klären zu wollen, in dem ich Unterstützung im Außen gesucht habe. Ich habe Seminare besucht, Beratungen in Anspruch genommen, Bücher gelesen, für Ausgleich und Entspannung an anderer Stelle gesucht.

Es war so, als ob hier auf dieser Seite im Leben mit den Kindern die Anstrengung und der Stress ist und da, auf der anderen Seite, einfach ganz wo anders, die Entspannung und das Auftanken.

Mit den Jahren habe ich bemerkt, dass das nicht die richtige Haltung von mir war. Hier, war ich oftmals gestresst und habe da versucht mich zu entspannen. Ich will gar nicht sagen, dass das keine tolle Sache sein kann und auch nicht manchmal dringend erforderlich sein kann.

An dieser Stelle möchte ich aber darauf hinaus, dass ich irgendwann gelernt habe, hier, jetzt hier, für mich zu sorgen. Ich habe gelernt im Alltag mit den Kindern genauer hin zu spüren und unmittelbarer für meine Bedürfnisse einzustehen, auch wenn es für die Kinder manchmal unbequem war. Das Ergebnis ist, dass ich viel egoistischer geworden bin und mich für meine Wünsche einsetze, dafür sorge, dass ich dies und das bekomme und im selben Moment achtsam bin, das auch für die Kinder zu erspüren und die Diskussion darüber was, wer, wann braucht offen zu halten.
Das ist eine großes Unterfangen, wenn man mit vielen Kindern zusammenlebt. Es ist aber reinigend und vor allem stärkend. Wenn du damit beginnst, dich und deine Bedürfnisse im Alltag mehr und mehr zu erspüren, deine „innere Technologie“ wahrzunehmen und deinen Kindern mit ihrer „inneren Technologie“ Raum gibst, dann erleichtert sich der Alltag ungemein. Ich empfehle dir, nicht unbedingt damit zu beginnen, wenn du gerade kurz vor dem Punkt bist, an dem das Fass überläuft, sondern in den Momenten, in denen es nicht so schwierig ist. Immer wieder spüren, hinein spüren, und genährt werden, durch diese andere Verbindung, die du mit dir und mit deinen Kindern haben kannst.

Im Berufsleben gibt es ganz ähnliche Tendenzen, vielleicht macht der Vergleich dir mein Anliegen deutlicher.
Es gibt Menschen, die arbeiten und arbeiten -hier- um dann irgendwann -da- Urlaub machen zu können und sind dann oftmals hier und da gestresst.

Es gibt andere Menschen, die beschäftigen sich -hier- in einer besonderen Art mit sich und ihrer Arbeits- und Lebenshaltung und der Veränderung ihrer Haltung zu den Dingen, damit sie -da- Spaß, auch im Urlaub haben können.
Die Veränderung und das nachhaltige und nährende suchen sie -hier- und nicht in erster Linie -da-.

Ich hoffe, dass dir mein heutiger Impuls eine nähernde Anregung für deinen Alltag mit den Kindern gegeben hat. Ich freue mich über deine Kommentare und helfe dir auch gerne beim Tanz zwischen hier und da.
Ruf mich einfach an oder schreib mir http://wundersameslernen.de/telefon-coaching/
und vereinbare einen unverbindlichen Kennenlerntermin mit mir.

Ich stärke tolle Eltern und einzigartige Kinder eigenSINNig zu SEIN.

Uta Henrich

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4 Responses to Wenn dein Fass mal wieder überläuft

  1. Liebe Uta, du sprichst mir aus der Seele. Genau die gleiche Erfahrung durfte ich machen. Mir hat dabei der Vergleich mit der Notfalleinweisung im Flugzeug geholfen. Wer nimmt zuerst die Sauerstoffmaske??!! Genau und dann erst die Kinder. Also seien wir ruhig ein bisschen egoistischer 😉

    LG Nicole

  2. Friederike sagt:

    Liebe Uta,
    oh ja, diese Situationen „an der Kante“ kenne ich auch gut – ich bin seit drei Jahren Single-Mama mit zwei Kleinen. Danke für Deine klaren Betrachtungen!
    Ich habe vor einiger Zeit gemerkt, dass ich einen enormen inneren Widerstand hatte, mich selber nähren zu lassen (auch wenn dahinter ein großer Wunsch danach da war…).
    Dadurch fiel es mir sehr schwer, rechtzeitig gut für mich zu sorgen. Anstrengung und Überanstrengung waren an der Tagesordnung. Erst, nachdem ich im Kollaps gelandet bin, habe ich begonnen, mir Unterstützung zu erlauben. Auf die Idee wäre ich vorher gar nicht gekommen!
    Ich kenne so viele Eltern, die selber mit ihren eigenen Bedürfnissen nach Schutz und Gehalten Sein „zu kurz“ gekommen sind. Manchmal erscheint es mir wie eine Epidemie in der gesamten Gesellschaft. Das weich sein mit uns selber ist so ein Geschenk, und ich erlebe das wie eine kleine Revolution. Wie ein „gegen den Strom schwimmen“. Es kostet anfangs einige Kraft, weil es irgendwie so ungewohnt ist, und ich wenige starke Vorbilder in meinem Umfeld habe, bei denen ich mir diese Selbstfürsorge abschauen kann. Aber dann eröffnet es den Zugang zu ganz anderen, ungeahnten Kraftquellen. Danke für Dein Bestärken. Immer wieder, in den Blogbeiträgen und Videos. Ich lese / schaue schon seit über einem Jahr mit viel Begeisterung mit.
    Herzliche,
    Friederike

    • Uta Uta sagt:

      Liebe Friederike, ich danke dir sehr für deine Nachricht hier und vor allem für deine Offenheit. Deine Worte haben mich daran erinnert, wie wichtig es ist, die Erziehungsthemen, die wir mit den Kindern haben, nicht so einseitig zu sehen. Es ist diese Vielschichtigkeit und auch das Verwoben sein, auch mit unseren ganz eignen, ureignen Themen, auf die die Kinder uns heben. Danke für deine Erinnerung und deine Beschreibung. Gute Kraft …Uta

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