Eltern sein ist wirklich vielschichtig und vor allem eine delikate Angelegenheit. Du bringst eine Kind auf die Welt, dass im Grunde ‚nichts weiß‘ (vorsichtig formuliert), aber alles Potential in sich trägt. Die Vorstellungen darüber, wie man ein glückliches Kind erzieht (oder auch nicht erzieht), sind sehr unterschiedlich.

Viele Eltern sind der Meinung, dass Zufriedenheit und Glück für den eigenen Nachwuchs mit einem möglichst hochwertigen und in jedem Fall mit einem sehr guten Schulabschluss verbunden ist. Die Chancen auf Glück und Zufriedenheit vermehren sich für diese Eltern dann weiterhin mit einem hervorragenden Studienabschluss und dem vorzugsweise lückenlosen Übergang in die Berufswelt. Die Marschrichtung ist im Grunde klar vorgezeichnet: Zielstrebig entlang der Karriereleiter.

In diesen turbulenten, schnellen und von starken Veränderungen geprägten Zeiten zeigt sich für mich, dass dies nicht mehr so offensichtlich ein schlüssiger Weg ist.

Längst bedeutet ein guter Schulabschluss und ein lückenloser Lebenslauf (Was bedeuten die Lücken eigentlich für ein gesundes Leben?) nicht mehr unbedingt einen sicheren Beruf und Stabilität.

Für mich persönlich hat sich in den letzten Jahren ergeben, dass ich mir eine Menge Fragen gestellt habe, wie der Weg eines Kindes aussehen könnte, damit das jeweilige Kind eine Richtung einschlagen kann, die ihm ermöglicht das zu entfalten, was in ihm angelegt ist.

Als Mutter möchte ich natürlich, dass mein Kind glücklich ist. Es hat mich eine Menge Auseinandersetzung mit den Themen um Entwicklung und Entfaltung gekostet, bis ich verstanden hatte, dass das Glück und die Zufriedenheit meiner Kinder nicht im Abitur, in einem Hochschulabschluss oder einem angesehenen Job liegt. (meine auch nicht)

Ich bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass der eigentliche Motor für eine zufriedene Entwicklung, in der Möglichkeit liegt, das je individuelle Potential zu entfalten, dass jedes Kind in sich trägt.
Ich habe dafür meine Sinne schärfen müssen, dies überhaupt wahrzunehmen. Es ist mir wichtig geworden, mich in ganz vielen Angelegenheiten im Leben der Kinder eher zurück zunehmen, als meine Interessen und meine Vorstellungen nach vorne zu bringen.
Im Grunde bin ich davon überzeugt, dass die Kinder nur ein gewisses Maß von Glück entwickeln können, wenn sie das zu Entfaltung bringen können, wozu sie bestimmt sind oder was ihrem Potential entspricht.

Das muss mir nicht immer schmecken.

Vielmehr ist es so, dass diese je individuellen Wege mich oftmals sehr herausfordern, denn es ist an den Kindern, über mich und meine vielleicht einschränkenden oder erbärmlichen Vorstellungen hinauszuwachsen

Dazu musste ich komplett umdenken, mich mit meinen Ängsten und meinem Sicherheitsbedürfnis als Mutter auseinandersetzen. Das Umdenken hat von mir verlangt, dass ich meine Unterstützungsstrukturen als Elternteil auf andere Stützpfeiler umlagern musste.

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Zielführend ist für mich nicht mehr das Erlangen des jeweiligen Schulabschlusses oder das Streben nach einer möglichst guten Note, sondern vielmehr der Ansatz, die Kinder in der Art zu begleiten, dass sie ihr individuelles Potential entfalten können.

  • Das kann unter Umständen bedeuten, den Jugendlichen von einem lückenlosen Lebenslauf abzubringen und ihm Gelegenheit für Innenschau und Reife zu geben.
  • Das kann bedeuten das Kind sich mit dem beschäftigen zu lassen, was mir Ängste und Sorgen bereitet.
  • Das kann bedeuten, mich im Alltag und meinen Vorstellungen darüber, was von Bedeutung wäre, komplett zurück zu nehmen.

Man könnte sagen, dass ich mich aus der Rolle der ‚Antreiberin‘ und der ‚Wissenden-wo-es langgeht‘ eher in die Rolle einer Beobachtenden begebe.
Für mich persönlich bedeutet es Schritte und Wege zu gehen, die mein Vertrauen in den je individuellen Weg meines Kindes herausfordern.

Die schwierige, aber Früchte bringende Aufgabe besteht darin, Stabilität und Sicherheit zu geben und im selben Moment aus dem Weg zu gehen. Die Integrität des Kindes und sein Gespür für seinen eigenen Entscheidungen zu unterstützen, so gut ich kann und meine Meinungen und Muster nicht ganz so wichtig zu nehmen.

Auszusteigen aus diesen Erziehungsgedanken, die sehr stark von dem geprägt sind, dass der Erwachsene weiß, was für das Kind richtig ist, habe ich mich über die Jahre mehr und mehr in eine Rolle begeben, von einer Person, die nicht weiß.

Meinen Job ( auch als Mutter) sehe ich darin genau diesen Widerspruch zu leben. Stärke geben und im selben Moment nicht wissen, was ‚richtig‘ ist.

Das bedeutet im Grunde, dass ich mich als Mutter ständig neu erfinden muss und unaufhaltsam hinterfragen möchte. Damit bin ich Wandel und ermögliche die Entwicklung der Kinder, so gut ich kann. Dabei bin ich trotzdem kein Pudding, der wabbelt und instabil ist. Ich verwurzele mich, indem ich mich selbst nachentfaltete, reflektiere und ‚verorte‘. Der Entwicklungsweg meiner Kinder und mein Weg sind auf wundersames Art miteinander verflochten.

Mit diesem Weg als Mutter habe ich gute Erfahrung gemacht, es stärkt mich und stärkt mein System Familie. Wir haben dadurch die Gelegenheit gemeinsam zu wachsen. Das wiederum erfüllt mich mit Glück und Zufriedenheit.
Ich hoffe, dass meine Kinder darin baden und daraus ihre Stärke für ihre Herausforderungen ziehen können.

Ich freue mich von dir zu lesen und ein wenig an deinen Erfahrungen teilhaben zu können. Gerne kannst du diesen Beitrag teilen.

Mein nächstes Tagesseminar, in dem du Gelegenheit hast an meinem vielschichtigen Wissen um Erziehung und Lernen teilzuhaben, ist am SA 28. Oktober 2017. Informationen findest du hier. Für das Seminar ist das Alter deiner Kinder nicht von großer Bedeutung. Die Themen und die Aufarbeitung der Themen lassen sich wunderbar übertragen.

Den Widerspruch umarmen. Wie man mit den Kindern ‚wächst‘.

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Wundersames Lernen
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